Kolumne Amelie Fried Wenn Kino keinen Spaß mehr macht

Amelie Fried mag nicht mehr ins Kino gehen, seit es dort zugeht wie auf einem Kindergeburtstag

Wenn Kino keinen Spaß mehr macht Wenn Kino keinen Spaß mehr macht © photographer2222-Fotolia

Früher gingen die Menschen ins Kino, weil sie sich einen Film ansehen wollten. Essen und Trinken im Kinosaal waren nicht erlaubt, und wer mit einer Süßigkeitentüte raschelte, wurde mit einem wütenden „Pssst!“ aus mehreren Richtungen bestraft und traute sich kaum mehr, sein Gummibärchen zu Ende zu kauen. Heute gehen die Leute ins Kino, um riesige Eimer Popcorn zu essen, Limo zu trinken, SMS zu schreiben und sich lautstark mit ihren Freunden zu unterhalten. Die wenigsten stört es, dass auf der Leinwand ein Film läuft. Man kommt sich vor wie bei einer Kinderparty mit Ronald McDonald.

Ich gehöre zu den hoffnungslos altmodischen Spießern, die mit dem Ende der Werbung die Chipstüte wegpacken, das Handy ausmachen und sich dem Geschehen auf der Kinoleinwand zuwenden. Klar, dass ich mit solch absonderlichem Verhalten nicht auf das Verständnis meiner Mitmenschen rechnen darf. Die rascheln und knistern und knuspern munter weiter, zeigen sich gegenseitig Fotos auf ihren Handys, führen ungeniert ihre Gespräche fort und reagieren völlig überrascht, wenn ich zehn Minuten nach Beginn des Films laut und deutlich in die Dunkelheit sage: „Könnten Sie wohl bitte mal still sein?“ Dann verstummen sie kurz, man hört empörtes Getuschel – und gleich darauf geht’s weiter.

Kürzlich in Bremen schlug ich zwei unaufhörlich quatschenden jungen Leuten hinter mir vor, sie mögen doch einfach zu Hause bleiben und den Fernseher anmachen. (Ja, ich war das! Und es ist mir auch gar nicht peinlich!) Glauben Sie nicht, dass einer von denen „Entschuldigung“ gesagt oder danach die Klappe gehalten hätte! Nur weil es in „Illuminati“ ziemlich geräuschvoll zugeht, habe ich sie zwischendurch nicht mehr gehört.

Mich nervt dieses rücksichtslose Verhalten derart, dass ich kaum noch ins Kino gehe, weil ich schon weiß, dass ich mich wieder mit irgendjemandem anlegen muss. Mein Mann und meine Kinder wissen es auch, deshalb traut sich keiner von ihnen mehr, mit mir zu gehen. Als einsame Rächerin aller genervten Cineasten führe ich meinen Kampf ebenso unermüdlich wie entschlossen. Also, seien Sie vorsichtig, wenn Sie mich im Zuschauerraum entdecken! Sollte ich jemals reich werden, kaufe ich mir weder eine Villa noch einen Lamborghini noch eine Yacht. Ich kaufe mir ein Kino. Ich schmeiße die Popcornmaschine raus und sehe mir all die Filme an, die ich in letzter Zeit verpasst habe. Und zwar allein!

 
Schlagworte:
Autor:
Amelie Fried