Kolumne Amelie Fried Was Sie über andere Leute wissen sollten

Amelie Fried hat eine Leidenschaft für Umfragen, wundert sich aber, was so alles behauptet wird.

Eine Frau arbeitet in einem Callcenter, sie trägt ein Headset Was Sie über andere Leute wissen sollten © Yuri Arcurs-Fotolia

Ehrlich gesagt, ich liebe diese Umfragen, in denen Menschen Auskunft darüber geben, ob sie an ein Leben nach dem Tod glauben, wie viele Schuhe sie besitzen und wie oft sie Sex haben. So las ich neulich, dass die deutsche Durchschnittsfrau 14 Paar Schuhe besitzt. Nun weiß ich endlich: Meine Schuhsammlung reicht für zwei Durchschnittsfrauen!

Man wundert sich, was die Umfrageinstitute alles wissen wollen. Welche Männerfrage Frauen am meisten nervt beispielsweise. Antwort: „Was essen wir heute?“ Weil das im Klartext heißt: „Was kochst du heute?“ 40 Prozent der Männer geben zu, nicht kochen zu können. Da Männer zu Selbstüberschätzung neigen, muss man von einer ebenso hohen Dunkelziffer ausgehen. Bleiben also nur 20 Prozent, die ein Ei in die Pfanne hauen könnten. Oder die Frage, wie oft die Deutschen mit ihrer Mutter telefonieren: 72 Prozent rufen jede Woche an, ein Drittel sogar jeden Tag! Das gibt einem zu denken, besonders angesichts der Tatsache, dass Ehepartner täglich nur 15 Minuten miteinander sprechen.

Noch interessanter wird es, wenn man die Ergebnisse verschiedener Umfragen in Beziehung zueinander setzt: So fragt man sich, ob die 30 Prozent Männer, die täglich Pornos ansehen, dieselben sind, die lieber zwei Wochen auf

Sex statt aufs Internet verzichten und trotzdem glauben, dass ihre Frauen zufrieden mit ihrem Sexualleben sind. Oder wie es möglich ist, dass 58 Prozent aller Befragten Treue für wichtiger halten als Sex, während 40 Prozent der Männer Sex als das Wichtigste überhaupt ansehen – 22 Prozent der Frauen allerdings auch ...

Und wie passt das mit der in Umfragen häufigen Behauptung zusammen, man habe zweimal pro Woche Geschlechtsverkehr? Nachforschungen im Freundeskreis führen zu der Feststellung, dass nie so dreist geflunkert wird wie beim Thema Sex. Weiterer Beweis: 32 Prozent haben ihren Partner schon mal betrogen und sind bereit zu lügen, um den Seitensprung zu vertuschen. Trotzdem glauben 82 Prozent an die große Liebe. Und 40 Prozent an ein Jenseits, was der Sache eine pikante Note gibt: Wer einst vor seinen Schöpfer tritt, muss wohl damit rechnen, dass Seitensprünge und Lügen auffliegen.

Bleibt die Frage, warum 68 Prozent der Männer Gleichberechtigung für wichtig halten, fast genauso viele (62 Prozent) aber finden, Frauen mit Kindern sollten nicht berufstätig sein. Vielleicht sollten Männer lieber kochen lernen, als an Umfragen teilzunehmen. Und nicht so oft mit Mama telefonieren.

 
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Amelie Fried