Kolumne Amelie Fried Wann ist man ein VIP?

Amelie Fried über Absurditäten ihres Alltags als TV-Moderatorin

Wann ist man ein VIP? Wann ist man ein VIP? © Daniel Etzold-Fotolia

Bin ich prominent?

Wer im Fernsehen ist, gilt als prominent. Mich persönlich überrascht es auch nach 25 Jahren als Moderatorin noch, wenn mich Leute auf der Straße ansprechen. Prominent ist ein Begriff, den ich nicht mit mir in Verbindung bringe, aber für prominent gehalten zu werden hat Vorteile: So wurde ich neulich bei einem Langstreckenflug ungefragt von der Economy- in die Business-Class upgegradet – mein Mann leider nicht.

Überhaupt, mein Mann: Wenn wir zu zweit auftreten, sind alle sehr nett zu ihm, auch wenn viele ihn mit „Herr Fried“ ansprechen, obwohl er nicht so heißt. Kaum trifft er ohne mich auf dieselben Leute, kann es passieren, dass sich niemand mehr an ihn erinnert.

Das Leben im Schatten von Prominenten

Vergangenes Jahr haben wir gemeinsame Lesungen aus meinem Buch „Schuhhaus Pallas“ gemacht, an dem mein Mann maßgeblich mitgewirkt hat. In den meisten Ankündigungen wurde er nicht erwähnt. Mal fehlte das zweite Mikrofon, mal die zweite Leselampe, obwohl seit Wochen feststand, dass wir zu zweit lesen würden. Auf der letzten Station unserer Reise wurden wir im Hotel freundlich begrüßt, und noch während des Auspackens klopfte der Zimmerkellner. „VIP-Service“, verkündete er und brachte eine Portion Obst, ein Fläschchen Sekt und ein Paar Hausschuhe. Mein Mann nahm es mit Humor. Er rief sich zur „VIP-Zecke“ aus, die sich an ihrem Promi-Wirt festsaugt, um an den Privilegien teilzuhaben. So haben wir das Obst geteilt, den Sekt gemeinschaftlich stehen lassen, und zufällig hatte ich noch ein Paar Hausschuhe dabei.

„Letztes Jahr haben mein Mann und ich gemeinsame Lesungen gemacht. Aber meist wurde er gar nicht erwähnt.“

Ehrlich gesagt, ich bewundere meinen Mann. Ich weiß nicht, ob ich die Größe hätte, solche Kränkungen wegzustecken und dabei die gute Laune zu behalten. Keinen interessiert, dass er der Belesenere von uns ist und ein mindestens ebenso guter Autor. Ich bin im Fernsehen, er nicht. Das scheint alles zu sein, was zählt.

Die Lieblingsfrage meines Mannes lautet: „Wie ist es denn so, im Schatten einer prominenten Frau zu leben?“ Als Antwort gründete er den Verein „Gatten im Schatten“, dem außer ihm noch Christian Nürnberger (Mann von Petra Gerster) angehört. Nun kultiviert mein Mann seine Existenz als Schatten-Gatte und VIP-Zecke, und ich bin dankbar, dass er mit genügend Humor und Selbstbewusstsein gesegnet ist, um über all diese Absurditäten lachen zu können. Eines noch zum Schluss: Auf das Upgrade in die Business-Class habe ich dann doch verzichtet.

 
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Amelie Fried