Kolumne Amelie Fried Tu es mir zuliebe!

Amelie Fried fragt sich, warum man aus Liebe so viele Dinge tun soll, die man nicht mag

Tu es mir zuliebe! Tu es mir zuliebe! © iofoto-fotolia

Gott, was tun mir diese Männer leid, die mit angeödetem Gesichtsausdruck vor den Umkleidekabinen herumlungern und darauf warten, dass ihre Frau oder Freundin gleich ein neues Negligé oder Cocktailkleidchen vorführt. „Schatz, wie findest du das?“ Erwartungsvoller Blick, graziöse Drehung. „Weiß nicht. Ja, schön.“ „Schöner als das andere?“ „Weiß nicht.“ Mal ehrlich, liebe Shopping-Schwestern: Macht das wirklich Spaß? Warum schleppt ihr einen unwilligen Kerl hinter euch her, der auf alles andere Bock hat, nur nicht auf Einkaufen? Ist das für euch ein Beweis seiner Liebe?

Ich finde, man muss nicht alle Erfahrungen teilen. So verzichte ich gerne darauf, schwitzend und schnaufend einen Berggipfel zu besteigen, obwohl es für meinen Mann das Größte ist. Ich liege eben lieber auf dem Sofa und lese ein Buch. Und mein Mann hat viele Freunde, die wild aufs Bergwandern sind – soll er doch mit denen losziehen! Ich nötige ihn auch nicht, mit mir ins Kino zu gehen, um Mädelsfilme anzusehen. Also romantische Komödien mit Meg Ryan, Julia Roberts oder Jennifer Aniston. Warum soll ein Mann sich so was anschauen? Oder die Sache mit dem Golfspielen. Immer mehr Männer begeistern sich dafür und verbringen viele Stunden außer Haus. Um ihre Männer überhaupt noch zu sehen, beginnen ihre Frauen oft ebenfalls mit dem Golfspiel – soll ja gesund sein. Leider ist es auch furchtbar langweilig und hält sie davon ab, Dinge zu tun, die sie eigentlich tun möchten. Deshalb sieht man viele schlecht gelaunte Frauen auf Golfplätzen.

Je mehr man aus Liebe für den anderen tut, desto verdächtiger finde ich das. In einer guten Beziehung unternimmt man sowieso viel zusammen, da kann man den Partner auch mal alleine lassen, wenn der unbedingt in ein Heavy-Metal-Konzert will, man selbst aber auf experimentellen Jazz steht. Es gibt ja trotzdem vieles, das man dem anderen zuliebe tun kann: Ich zum Beispiel stelle meinem Mann großzügig meine Schulterpartie zur Verfügung, damit er seine Fähigkeiten als Masseur ausbilden kann. Außerdem überlasse ich ihm die Gartenarbeit, damit er seine Muskeln trainiert und sich das Fitness-Center spart. Er verzichtet im Gegenzug darauf, seine Kochkünste an mir auszuprobieren – ein echter Liebesbeweis! Aber sein größter Liebesbeweis ist, dass er nie von mir verlangt, ich solle etwas aus Liebe zu ihm tun. Deshalb gehe ich manchmal sogar mit auf den Berg oder ins Hardrock-Konzert. Einfach nur so. Nicht aus Liebe.

 
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Amelie Fried