Klassische Musik

Hélène Grimaud spielt Brahms

Zwei Klavierkonzerte mit schwerem Inhalt, die gefühlvoller nicht gespielt werden könnten: Hélène Grimaud begeistert mit ihrer Interpretation von Johannes Brahms. Im FÜR SIE-Gespräch verrät die französische Pianistin, was sie mit Brahms verbindet, warum sie sich für den Schutz von Wölfen einsetzt und wie sie sich vor ungesundem Stress schützt.

Die französische Pianistin Hélène Grimaud vor einem Klavier Hélène Grimaud spielt Brahms © Mat Hennek / DG

„Tief bewegt“ sitzt Holger Wemhoff ihr beim Pressegespräch in der „Steinway & Sons“- Klavierfabrik in Hamburg gegenüber. Doch es ist nicht die Musik, die den Chefmoderator von Klassik Radio so rührt. Nicht nur die Musik. Es ist ihre Art, über die Musik zu sprechen. Hélène Grimaud interpretiert Johannes Brahms. Das tut sie nicht nur auf dem Piano, sondern auch mit Worten.

Philosophin der klassischen Musik

Hélène Grimaud nennt zahlreiche Auszeichnungen ihr Eigen, spielt virtuos auf dem Piano, ist Buchautorin und Philosophin der klassischen Musik. Seit dem 27. September 2013 ist ihr neues Album auf dem Markt (Deutsche Grammophon), eine Aufnahme zweier Brahms-Konzerte, die sie gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und mit den Wiener Philharmonikern gespielt hat. Das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in D-Moll spielte Grimaud schon 15 Jahre vor dem Konzert Nr. 2 in B-Dur.

Schöpfung und Gedenken

„Es geht um die Dramen und die Schönheit des Lebens, wie eine Neuschöpfung des Lebens selbst“, sagt Hélène Grimaud im FÜR SIE-Interview auf die Frage, was das erste Konzert für sie bedeute. Konzert Nr. 2 repräsentiere für sie hingegen den Rückblick auf das Leben. „Für mich war der erste Satz des zweiten Konzerts immer eine Art von Gedenken, von Reaktion auf den ersten Selbstmordversuch seines guten Freundes und Mentors Robert Schumann.“

Brahms: feurig und impulsiv

Dabei ist die Beziehung, die Hélène Grimaud zu Johannes Brahms und seiner Musik spürt, sehr eng. „Manche Menschen haben von Brahms die Vision eines alten, bärtigen, sehr weisen Mannes, der die Leidenschaft an der Musik im Laufe der Zeit verloren hat. Das hat er ganz und gar nicht!“ An der Art, wie Schumann seinen jungen Freund Johannes Brahms beschrieben habe, lasse sich dessen feuriges, impulsives und schroffes Temperament ablesen. Das alles bleibe in der Musik, auch in den poetischen Stücken.

Klassik als vitale Bühne

„Klassische Musik überlebt die Komponisten als eine aktive, vitale Bühne“, sagt Grimaud. „Als diese Menschen ihre Musik geschrieben haben, schrieben sie über genau das Leben, das wir heute kennen. Unser Streben, unsere wichtigsten Bedürfnisse sind dieselben wie damals. Deshalb glaube ich, dass diese Musik in der heutigen Zeit einen Platz hat.“

Ehrenamtliches Engagement

Wenn Hélène Grimaud nicht am Klavier sitzt, engagiert sie sich für Menschenrechte und für den Schutz von Wölfen. „Diese Tiere sind die Ingenieure der Biodiversität – sie helfen, das Ökosystem im Gleichgewicht zu halten“, sagt Grimaud. Sie habe sich schon seit der Kindheit für Tiere begeistert. Der Wolf wurde aufgrund einer Begegnung vor einigen Jahren zu ihrem Projekt. „Es geht um die Erhaltung von Lebensräumen. Außerdem muss man all das schützen, was dieses Raubtier zum Überleben braucht – und damit alle Tiere, die in der Nahrungskette unter ihm stehen.“

Lachen gegen Stress

Wie geht eine Künstlerin wie Hélène Grimaud, deren Terminplan mehr als gut gefüllt ist, mit ungesundem Stress um? „Mein bestes Mittel gegen negativen Stress ist Lachen. Ich gebe mir Mühe, mich mit Menschen zu umgeben, mit denen ich gut lachen kann. Lachen ist eine gesunde Möglichkeit um loszulassen.“

 
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