Zauberlehrling mit über 40 Jugendliteratur für Erwachsene

Warum Kinder- und Jugendbücher immer mehr zur Lieblingslektüre von Erwachsenen werden.

Zauberlehrling mit über 40 Jugendliteratur für Erwachsene © jerome berquez-Fotolia

Platz 2 und 11: Stephanie Meyer, Platz 5: Joanne K. Rowling, Platz 7, 9 und 15: Cornelia Funke. Die Bestseller-Liste las sich im Winter zuweilen wie eine Art Hitparade der Jugendliteratur. Und es schien, als seien Vampire, Barden, Zauberer, Drachen und ihre versammelten magischen Freunde die einzigen Romanfiguren, die es zwischen zwei Buchdeckeln zum Erfolg bringen würden.

Ein Zufall? Wohl kaum, eher das offensichtliche Ergebnis eines anhaltenden Trends: Jugendliteratur ist nicht mehr die kleine Schwester der Belletristik, sondern eher das Familienoberhaupt. Und: Sie wird längst nicht mehr nur von Kindern und Jugendlichen gelesen, sondern eben von der ganzen Familie. Besonders häufig ist die Leserinnen- Kombination Töchter und Mütter. So bekannte kürzlich die Literaturkritikerin Iris Radisch in der Wochenzeitung „Die Zeit“, nur drei Nächte für den neuesten 800-Seiten-Vampir-Schmöker von Stephenie Meyer gebraucht zu haben. Sie hatte sich Sorgen gemacht, ob ihre Tochter vielleicht der Schundliteratur anheimgefallen war, und wagte den Selbstversuch. Ihr einigermaßen nüchternes Ergebnis nach rauschhafter Lektüre: „Schaden tut das nicht. Schlecht geschrieben ist das auch nicht.“

„All-Age-Literatur“ nennt man in Verlagskreisen den Trend. Der Begriff allerdings ist irreführend. Denn geschrieben wurden die Bücher explizit für Kids und Teenies. Zur Bestseller-Zutatenliste gehört in den meisten Fällen ein Außenseiter- Held im Pubertätsalter, der übernatürliche Fähigkeiten besitzt und einen Kampf zwischen Gut und Böse ausficht. „Diese Jugendbücher sind meist sehr gut recherchiert, unterhaltsam und oft auf höchstem sprachlichen Niveau erzählt“, sagt Anne Schieckel, Programmleiterin bei dtv junior. Und fährt fort: „Ich kenne einige Erwachsene, die Lesekreise besuchen, in denen immer wieder auch Jugendromane besprochen werden.“ Seit geraumer Zeit verzeichnen Verlage einen Ansturm erwachsener Leser auf Bücher für die jüngere Zielgruppe.

„Im deutschsprachigen Raum mag es sich um ein relativ neues Phänomen handeln“, sagt Thomas Kullmann, Anglistik- Professor an der Uni Osnabrück. „In England lesen Erwachsene schon seit etwa 150 Jahren auch Kinder- und Jugendbücher.“ Der Literaturwissenschaftler, der sich in seinem Buch „Englische Kinder- und Jugendliteratur“ (Erich Schmidt Verlag) auch mit den Bestseller- Phänomenen „Der Herr der Ringe“ und „Harry Potter“ beschäftigt, erklärt den Erfolg von J. K. Rowlings Zauberhelden so: „Das Buch reflektiert unsere Welt, eröffnet aber gleichzeitig Perspektiven in andere Imaginationsräume. Offensichtlich haben jugendliche und erwachsene Leser hierauf gewartet.“

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