Interview

Interview mit Maxine Brown

Halleluja – der letzte Sommer stand im Zeichen der Soul-Musik. Wir haben die Legende, Miss Maxime Brown, auf dem Baltic-Soul-Weekender getroffen. Eine Audienz bei einer der ganz großen Soul-Sängerinnen, die 1961 ihren ersten großen Hit und vor 50 Jahren ihren ersten Plattenvertrag bekam und immer noch mit einer unglaublichen Präsenz auf der Bühne steht! Ein Gespräch über Rassismus, Talent und Leidenschaft.

Maxine Brown ist eine legendäre Soulsängerin Interview mit Maxine Brown © Jalag Syndication

Von New York an den Weißenhäuser Strand. Sind Sie gut angekommen?

Oh, ich fühl mich großartig! Ich hatte nach dem Flug leichtes Unwohlsein, keine Ahnung was es war, aber nach den ersten Probe war es gleich besser – die Musik hilft mir dabei mich wieder gut zu fühlen! Sobald ich auf der Bühne stehe bin ich in meiner Mitte.

Sie sehen fantastisch aus!

Ja, das sind die guten Gene meines Vaters! Ich bin schon eine Weile da draußen, seit 1961 auf der Bühne  und immer noch da! Gestern sagte ein DJ zu mir, er hätte jede Platte von mir, was mit mir los sei, ob ich nicht langsam mal erwachsen werden will?

Ihr Lieblingssoulsong?

nicole kleinfeld und maxi maxine brown

Unsere Autorin Nicole Kleinfeld hat die Sängerin getroffen.

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Ich hab so viele, es hängt davon ab in welcher Stimmung ich bin. Ich singe ja nicht nur die Songs der Northern-Soul- und Platten-Szene. In den Durststrecken meines Lebens und meiner Karriere, als sich das ganze Musikgeschäft verändert hat, habe ich nur überlebt, indem ich in Nachtclubs aufgetreten bin und Jazz gesungen habe. Ich kann auch Jazz! Ich mag die kleinen New Yorker Jazz-Läden, in denen man nur da sitzt und zuhört.

Sie haben mit Gospel angefangen. Welche Gospel-Kirche würden sie Gästen in New York empfehlen?

Ich würde meine empfehlen. St. Matthews Baptist Church in Harlem, viele gehen auch in die die Abyssinian Baptist Church.

Waren Sie verheiratet?

Ja, einmal! Das reicht (lacht laut).

Haben Sie Kontakt zu anderen Soul-Künstlern?

Klar. Ich habe zum Beispiel einiges mit Chuck Jackson aufgenommen und sehe ihn ab und zu. Mit Al Green hab ich auch gearbeitet, aber er wohnt jetzt zu weit weg, in Memphis, glaube ich. Er ging in meiner Kirche ein und aus. Genau wie Little Richard. Al Green singt ja heute viel Gospel. Bevor er vorletztes Jahr starb, hatte ich auch engen Kontakt zu Nick Ashford von Ashford & Simson. Bobby Hebb kannte ich auch ganz gut, bevor er wegzog, ich glaube er ging dann nach England. Er (Bobby Hebb) war mal mein Sitznachbar im Bus, als wir auf Tour waren, mit dem großen Jackie-Wilson, das war sehr lustig!

Woran denken Sie, wenn Sie sagen, die guten alten Zeiten?

Es waren harte Zeiten. Wir hatten das Rassismus-Problem, als ich anfing Ende der Fünfziger. Erst als die Surpremes langsam bekannt wurden und ihre ersten Erfolge hatten wurde es besser, nicht sehr, ein bisschen. Es war alles sehr schwierig damals. Wir durften nur an bestimmten Plätzen spielen, mussten immer mit dem Auto reisen oder mit dem Bus oft mit vier oder fünf Leuten zusammen und sind häufig die ganze Nacht zur nächsten Stadt gefahren, weil wir ja nicht in Hotels schlafen durften, nur in Pensionen, alles andere war zu gefährlich. Wir mussten viel in Kauf nehmen, um auftreten und spielen zu können. Die Kids heute haben es einfacher. Sie sind auf You-Tube zu sehen und viel schlauer, als wir es waren. Es waren diese Zeiten. Es waren also nicht ausschließlich gute Erinnerungen, aber es sind Erinnerungen. Aber im Vergleich zu heute, wo viele Künstler ihre Karriere auf Online-Plattformen wie You-Tube beginnen, haben wir Live-Erfahrungen gesammelt, die heute fehlen in der Musik-Szene. Heute sind sie aber klüger als wir es damals waren, wir liebten es einfach live zu singen!

Was raten Sie einer Freundin, deren Kind/Sohn unbedingt Sänger werden möchte?

Ich würde immer sagen: Wenn es in deinem Blut ist, unbedingt; dann tu es. Wenn es jemandem im Blut liegt, kann man es sowieso nicht stoppen. Aber man muss es richtig lernen, das Handwerk beherrschen. Erfahrungen sammeln. Und man muss auch mal Durststrecken aushalten können!

Was würden Sie einer Frau raten, die sagt, sie ist zu alt, um ihren Traum zu leben?

Vergiss es! Tu es! Sieh mich an, ich bin immer noch da (lacht laut).

Woraus schöpfen Sie Energie?

Ich weiß nicht genau was es ist. Ich höre die Musik und los geht’s. Das liegt an meiner Herkunft, die prägt schon sehr, genau wie Gospel. Nicht ohne Grund sind eine Menge schwarze Entertainer zur Gospel-Musik gekommen, es stärkt Dich und trainiert die Stimme. So unvermittelt zwischendurch, strahlend: Die Frau, die sich zu alt fühlt, soll es tun!

Schreiben Sie ihre Songs immer noch selbst?

Ich bin etwas langsamer, als ich sein sollte mit dem Schreiben, aber ich habe z.B. meinen ersten Hit selbst geschrieben. Ich habe immer wieder mal selbst getextet, bin aber nicht der Typ, der sagt ich gehe jetzt nach Hause und schreibe von 8.00 bis 11.00 Uhr die nächsten zwei Songs. Ich brauche da Inspiration – wenn es in meinem Kopf passiert und ich fühle, das ist der Song, dann schreib ich ihn auf.

Singen Sie noch über die Liebe?

Oh, ja! Über nichts anderes. Ich bin ja kein Cowboy, der über sein Pferd singt, oder so, Sie wissen was ich meine!

Was ist in den Jahren zwischendurch passiert – zwischen den 60ern und ihrem aktuellen Comeback?

Als die Siebziger kamen mit ihrer Disco-Musik, hatten viele von uns aus der R'n'B-Ära nichts zu tun, das war eine echte Durststrecke. Denn das konnten wir nicht. 1964 erschienen dann die Beatles auf der Bildfläche und das hat einfach jeden umgehauen, ganz gleich wer es war. Stichwort Beatles, ich werde jetzt das erste Mal einen Beatles-Song aufnehmen: „We can work it out“.

Hatten sie mal einen anderen Beruf, zwischendurch?

Ach, ja, in den Achtzigern bin ich zur Schauspielschule gegangen und habe Tanzstunden genommen. Denn wenn Du auf der Bühne stehst und der Produzent fragt; kannst Du tanzen musst Du performen können, wenn er den Takt zählt. So habe ich Tanz- und Schauspielstunden genommen und nebenbei meine Jazz-Auftritte gemacht. Ich musste ja weiter machen. Wer Sänger werden will und „es“ in sich hat, wird immer einen Weg finden wie es weiter geht. In meinem Alter versteht man das Rappen nicht so, aber es gibt so viele, die das verstehen. Die Rapper heute sind sehr talentiert und engagiert. Das gefällt mir gut! Wenn sie dann noch eine gute Stimme haben ist das ein großes Plus.

Thank you so much!

So ich freu mich jetzt aufs Essen und hoffe dass ich nachher auf der Bühne erinnere was überhaupt zu tun ist (lacht laut).

Mehr Informationen finden Sie unter maxinebrown.com oder unter www.baltic-soul.de

Interview: Nicole Kleinfeld

 
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