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Ihr Herz gehört den Affen

Niemand kennt Schimpansen besser als Primaten-Forscherin Jane Goodall (79). Jetzt spricht sie über eine bewegende Tier-Doku, die Anfang Mai in unsere Kinos kommt.

jane-goodall Ihr Herz gehört den Affen © Andre Zacher

Klein, fein, zierlich. So sitzt sie vor mir im Sessel des Hotels „Bayerischer Hof“ in München. Eine englische Lady, wie sie im Buche steht. In Ehren ergraut, doch noch immer voller Energie und augenzwinkerndem Humor. Jane Goodall (79), Affenforscherin und Umweltschutz-Ikone. Ihr Auftrag: Sie soll Werbung machen für die neue Disney-Natur-Doku „Schimpansen“. Wer könnte das besser als sie? Sie hatte nur einen Abschluss als Sekretärin, dennoch begann Goodall 1960 im ostafrikanischen Gombe-Bach-Nationalpark in Tansania, das Leben der Schimpansen zu erforschen.

Leben im Dschungel

Nie zuvor hatte ein Mensch längere Zeit auf den Spuren wilder Menschenaffen verbracht. Ihre Beobachtungen waren wegweisend für unseren Umgang mit Tieren überhaupt. Zur Tierforscherin wurde Jane Goodall schon im Alter von knapp fünf Jahren. Da machte sie mit ihrer Familie Urlaub auf dem Bauernhof in der Grafschaft Kent im Südosten Englands. Die Aufgabe der kleinen Jane: jeden Tag die Eier im Hühnerstall aufsammeln. Doch das war ihr nicht genug, sie wollte wissen, woher die Eier kamen und legte sich im Stall auf die Lauer. Stundenlang, bis schließlich eine Henne ein Ei legte. Dass ihre Eltern sie derweil verzweifelt gesucht und schon die Polizei alarmiert hatten – egal. Jane war glücklich. Rund 75 Jahre sind seitdem vergangen, aber die Episode auf dem Bauernhof ist ihr noch so präsent, als hätte sie sich erst vor ein paar Tagen ereignet. „Alle haben mit mir geschimpft, dass ich so lange weg war, bis auf meine Mutter. Sie war die Einzige, die wissen wollte, was ich erlebt hatte.“ Für diese Einstellung ist sie ihr immer noch dankbar. Jane Goodall ist überzeugt, dass sie ohne die Unterstützung ihrer Mutter nicht das geworden wäre, was sie heute ist: die bekannteste Schimpansen-Expertin der Welt.

Frau Goodall, woher stammt eigentlich Ihr Interesse an Tieren?

Es gibt keinen Auslöser, so bin ich geboren. Eine meiner ersten Erinnerungen ist, dass ich eine ganze Handvoll Regenwürmer mit ins Bett genommen habe. Da war ich anderthalb Jahre alt.

Warum können Sie sich an diesen Moment so genau erinnern?

Weil ich eine wunderbare Mutter hatte, die nicht gesagt hat: „Igitt, wirf sie weg!“, sondern: „Jane, sie sterben, wenn du sie hierlässt. Sie brauchen die Erde.“ Also haben wir sie zusammen zurückgebracht. Meine Mutter gehört zu den Menschen, die mich am meisten geprägt haben.

Inwiefern?

Sie sagte immer: „Wenn du etwas wirklich tun willst und hart dafür arbeitest, wirst du einen Weg finden.“ Das tat ich.

Sie haben früh von Afrika geträumt …

Das stimmt. Schon als Kind habe ich Bücher über den Kontinent gelesen. Kennen Sie „Doktor Dolittle“? Er rettete Tiere aus dem Zirkus und brachte sie nach Afrika. Das war der Anfang. Dann habe ich „Tarzan“ entdeckt. Ich bin mit dem Buch auf meinen Lieblingsbaum geklettert und habe nur noch gelesen. Natürlich habe ich mich in Tarzan verliebt. Da hat mein Traum angefangen: Ich würde erwachsen werden, nach Afrika gehen, bei den Tieren leben und Bücher darüber schreiben.

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