Kolumne Amelie Fried Die Vorteile von facebook

Warum verbringe ich eigentlich so viel Zeit bei Facebook? Das habe ich doch überhaupt nie gewollt.

Facebook Die Vorteile von facebook © iStockphoto

Ja, es ist peinlich. Ich, die große, selbst erklärte Kämpferin gegen den zeitraubenden Unsinn der sozialen Netzwerke im Internet, ertappt beim Dauerclick auf den „Gefällt mir“- Button! Was habe ich gelästert über die sozial verarmten Kreaturen, die ihre wertvolle Zeit mit der Pflege virtueller Pseudo-Freundschaften verschwenden! Wie stolz war ich darauf, so herrlich altmodisch zu sein und solch zeitgeistiges Kommunikations-(Fehl-)Verhalten nicht zu unterstützen! Ich sah mich als Verteidigerin wichtiger, vom Aussterben bedrohter Werte, ja, eigentlich als Retterin des Abendlandes. Nun, das Abendland wird vermutlich mit oder ohne Facebook untergehen – aber bis es so weit ist, haben Leute mit Account wahrscheinlich mehr Spaß als andere.

So haben ein paar Facebook-Freunde und ich gerade eine virtuelle Wohngemeinschaft in Barcelona gegründet: Lars bringt die Espressomaschine mit und kocht kohlenhydratfreie Menüs, Henri bewacht die Weinvorräte und wird von den WG-Bewohnern beim Nichtrauchen unterstützt, Svenja torpediert die Diätbemühungen von Lars mit Paella, und mein Mann und ich schreiben das Ganze auf.

Täglich wird in der Community angeregt diskutiert, über Migration, zivilen Ungehorsam und männliche Emanzipation, über soziale Ungerechtigkeit und die Service-Pannen bei der Deutschen Bahn. Facebook ist ein Medium für Menschen, die gern überall ihren Senf dazugeben. Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich auch so eine bin! Es macht einfach Spaß, auf die Mitteilungen anderer Mitglieder mit einem möglichst überraschenden Kommentar zu antworten.

Außerdem ist es toll, wenn man auf seinen Beitrag innerhalb weniger Minuten eine Menge witziger oder nachdenklicher Kommentare von Leuten erhält, die sich alle Mühe geben, einen zu unterhalten oder etwas Wissenswertes mitzuteilen. Zugegeben, als jemand, dessen Beruf der Umgang mit Sprache ist, gerät man leicht unter Originalitätszwang. Und wenn man anfängt, eine halbe Stunde über einem Beitrag zu brüten, macht man was falsch.

Aber seit ich in meinen Arbeitspausen immer mal wieder ein paar Minuten durchs „Gesichtsbuch“ blättere, bin ich besser informiert und habe viel mehr zu lachen als zuvor. Kein Ersatz fürs wirkliche Leben – aber eine reizvolle Ergänzung. Gefällt mir!

 

 
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Amelie Fried