Interview Arztserien vs. wahrer Klinikalltag

Dr. Kai Witzel hat untersucht, wie Krankenhausserien unsere Angst vor Operationen steigern und das Bild vom Klinikalltag prägen – selbst bei Ärzten

Arztserien vs. wahrer Klinikalltag Arztserien vs. wahrer Klinikalltag © Yuri Arcurs

Haben Ihre Patienten Sie zu Ihrer Studie inspiriert?

Ja, ich bin tatsächlich oft in der Klinik auf Serien angesprochen worden. Nach dem Motto: „Aber bei Dr. House ist das doch ganz anders ...“ Als ich meine Kollegen fragte, ob ihnen das auch passiere, stellte sich heraus: Es sind keine Einzelfälle. Parallel nahm die Zahl der Arztserien zu. Dem wollte ich auf den Grund gehen. Dass Leute Fiktion für wahr halten, ist übrigens nicht nur in der Chirurgie so. Ich hörte, dass schon mal nach „dieser neuen Krebs-Therapie“ gefragt wurde, sie hätte so toll gewirkt – allerdings bei „Für alle Fälle Stefanie“.

Der Experte

Dr. Kai Witzel ist ärztlicher Leiter des Minimal Invasiv Center in Hünfeld, Vorstand der Akademie für interdisziplinäre Rettungs- und Notfallmedizin und Mitglied der Chirurgischen AG Medien der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie. Seine Studie heißt „Wie Arztserien die Ängste vor und die Zufriedenheit mit Operationen beeinflussen“.

Was war denn das Skurrilste, das Ihnen passiert ist?

Ein Patient wollte eine zweite Meinung einholen, und zwar von Professor Brinkmann – also Klausjürgen Wussow. Bei meinen Recherchen habe ich erfahren, dass er zu Lebzeiten sehr oft angeschrieben wurde. Die Patienten schilderten chirurgische Probleme oder fragten, ob der eigene Hausarzt etwas taugt ...

Das ist absurd.

Allerdings – und es zeigt, wie sehr Realität und Fiktion hier verschwimmen.

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Autor:
Oda Albers