Frauena an die Macht Winzerinnen auf Erfolgskurs

Sie sind ebenso rar wie Frauen in deutschen Vorstandsetagen, doch Winzerinnen holen auf. Und ihre Weine sind in der Regel erstklassig.

Winzerinnen auf Erfolgskurs Winzerinnen auf Erfolgskurs © Alessandro Lai-Fotolia

Bekanntlich steht hinter jedem großen Mann eine große Frau. Und hinter einem großen Wein? Seit der Witwe Clicquot findet man Frauen sogar vorn auf dem Etikett – obwohl Barbe-Nicole Clicquot-Ponsardin sich ihren Namen eher als kluge Geschäftsfrau denn als Weinmacherin erwarb. Heute studieren Frauen Kellerwirtschaft und Önologie oder absolvieren eine Weinbaulehre. Als Winzerinnen kreieren sie selbst Weine. Guten Wein zu machen ist keine Frage des Geschlechts. Aber gibt es dennoch Unterschiede? Schließlich sagen Experten Frauen die feineren sensorischen Fähigkeiten nach.

Fragt man Winzerinnen, hört man oft: Als Frau müsse man doppelt und dreifach perfekt arbeiten, um anerkannt zu werden. Perfektion ist zum Beispiel ein Muss für Sabine Mosbacher-Düringer aus Forst in der Pfalz, deren Rieslinge, etwa aus der Forster Spitzenlage „Ungeheuer“, Musterbeispiele für klaren Stil und kraftvolle Tiefe sind. Die VDP-Winzerin ist Vorsitzende von „Vinissima“, einer Vereinigung von Frauen, die alljährlich Weine von Frauen prämiert.

Delikate Riesling-Tipps
  • 2007 Forster Ungeheuer Riesling Großes Gewächs, Georg Mosbacher, Pfalz, 0,75 l/25,00 Euro, Tel. 0 63 26/3 29, www.weingut-mosbacher.de. Saftig, üppige Fruchtaromen mit fast exotischen Noten und extremer Vielschichtigkeit.
  • Optimiste secco trocken Perlwein, Weingut Blankenhorn, 0,75 l/8,00 Euro, Tel. 0 76 35/8 20 00, www.gutedel.de. Fruchtig-prickelnder Sommergenuss.
  • 2007 Rotenfels Riesling Qualitätswein, Weingut von Racknitz, Nahe, 0,75 l/19,00 Euro, Tel. 0 67 55/2 85, www.von-racknitz.com. Würziges Meisterstück, das am Fuß der steilsten Felswand nördlich der Alpen wächst.
In Schliengen im Markgräflerland zählt Roy Blankenhorn zum „Urgestein“ der deutschen Winzerinnen. Ihre Weine sind herrlich handfest und von feiner Fruchtigkeit, zum Beispiel ihr Spätburgunder oder der Gutedel. Gerade legte sie einen prickelnden Perlwein vor mit dem passenden Namen „Optimiste“. An der Nahe, wo einst Hildegard von Bingen wirkte, schafft Luise Freifrau von Racknitz-Adams grandiose, eigenwillige Rieslinge, die spontan vergoren werden. Allesamt starke Frauen mit eigener Handschrift!

Da Winzerinnen noch immer so rar sind wie Frauen in Vorstandsetagen, wird es höchste Zeit, dass ihnen jemand Reverenz erweist. Rolf Klein hat das Thema feinfühlig und lesenswert umgesetzt: „Weinfrauen“, AT Verlag, 208 Seiten, 39,90 Euro.

 
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