Handwerksberuf Schaukelpferd-Bauerin

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, der schon fast ausgestorben ist. Diesmal: Die Schaukelpferdbauerin Annette Krämer aus dem Odenwald

Ein seltenes Handwerk 1 Schaukelpferd-Bauerin © jalag-syndication.de

Eine Betonmischmaschine wird in dieser Geschichte eine Rolle spielen, jede Menge feinsten Holzstaubs, der bis in die hintersten Winkel der Werkstatt kriecht, Maschinenlärm und die konzentrierte Stille des richtigen Pinselstrichs. Es wird auch von Pferden die Rede sein, die auf einer Koppel grasen. Aber nur am Rande. Erst mal geht es um ein Pferd, das im weichen Dialekt des Odenwaldes Gäulsche heißt. Es ist ein besonderes Pferd, das auf Kufen hüpfen kann und sich auch auf Rollen sehr geschickt bewegt, ansonsten aber brav im Zimmer steht.

Rettung in letzter Minute

Es wäre beinahe ausgestorben, wenn sich nicht Annette Krämer mit ihrem Mann Harald Boos seiner angenommen hätte. Wenn man auch in diesen Pferden Lebewesen sehen möchte, dann war der Odenwald in früheren Zeiten die Hochburg der Gäulscheszucht. In vielen Dörfern des hügeligen Waldgebietes südlich von Darmstadt wurden sie gebaut und verkauft. 23 Handwerksbetriebe gab es in den besten Zeiten, nach und nach bildete sich die eine typische Form in Gestalt eines zart gescheckten Schimmels heraus. Ein kräftiges Tier ist dieses Odenwälder Schaukelpferd, von elegantem Wuchs, kinderlieb und unverwüstlich. Es trägt sogar, darauf legt Annette  Krämer Wert, Erwachsene.

Falls mal eine Sitzgelegenheit fehlt. Man muss nach Reichelsheim-Beerfurth fahren, um den letzten Odenwälder Schaukelpferden beim Werden zuzusehen.  Die Werkstatt mit angeschlossenem Spielwarenladen liegt am Ortseingang.  Draußen dröhnen Lkws vorbei, drinnen ist es ruhig, wenn nicht gerade eine der Maschinen läuft. Ein wuscheliger Hund ruht in der Sonne. Annette Krämer führt ins Holzlager. Dort beginnt  der Weg zum Pferd. Das Holz stammt aus umliegenden Wäldern, Krämer und Boos sägen es zurecht: schmale Bretter aus Buche für Kufen und Beine, Kiefer für Kopf und Standbrett, Blöcke aus Pappelholz für den Körper. Drei Jahre lagert das Holz, bis es so trocken ist, dass es bearbeitet werden kann.

 

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