Die letzte ihres Standes Handwerksberuf: Ziegenkäserin

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, den es kaum noch gibt. Diesmal: die Ziegenkäserin Monika Henne aus Schleswig-Holstein.

Monika Henne Handwerksberuf: Ziegenkäserin © jalag-syndication.de

Wenn Monika Henne, 55, von ihren Ziegen erzählt, klingt es beinahe so, als züchte sie auf ihrem Bauernhof bei Lübeck sagenhafte Einhörner. Von „zauberhaften Geschöpfen“ schwärmt sie dann. Davon, wie gut es ihr selbst tut, mit Ziegen zusammen zu sein, wie geduldig und gelassen sie da wird. Um die 100 Tiere stehen im Schnitt in ihrem Stall, darunter etwa 60 Milchziegen; alle sind, wie sie sagt, „handgestreichelt“. Doch da Monika Henne nicht nur Ziegenbäuerin ist, sondern vor allem Ziegenkäserin, gibt es in ihrem märchenhaften Reich auch Bösewichte: lästige Fruchtfliegen.

„Fliegen-Tod“ hat sie mit schwarzem Edding auf eine Sprühflasche geschrieben, direkt über der Eingangstür in ihre  Käserei. Die Tür zum Stall ist stets geschlossen, die Straßenschuhe bleiben draußen stehen. Hier drinnen trägt Monika Henne sogar andere Kleidung; weiß und vor allem sehr, sehr sauber. „Willkommen in meinem Hochsicherheitstrakt“, sagt sie. Das ist nur zum Teil ein Scherz. Schließlich lagert hier, in ihrer wohnzimmergroßen Käserei und der Reifekammer nebenan, ihr gesamtes Kapital: die Milch ihrer Ziegen, frisch gekäste Rohlinge in Formen, wenige Tage alte Chèvres, also Weichkäsetaler mit cremigem Kern, und über Monate gereifter Caprino, ein geschmacksintensiver Hartkäse zum Reiben. Fruchtfliegen oder anderes Ungeziefer könnten die Arbeit eines ganzen Jahres vernichten. Denn Monika Henne arbeitet mit einer hochempfindlichen Materie: mit Rohmilch.

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