Die letzte ihres Standes Handwerksberuf: Porzellanmanufaktur

Was Katy Jung entwirft, ist weiß und wunderschön. Sie hat großen Erfolg mit ihrer Porzellanmanufaktur in Berlin.

Katy Jung Handwerksberuf: Porzellanmanufaktur © Sabine Möller

Zwanzig Stunden lang musste der Ofen samt Inhalt abkühlen, nun öffnet er sich mit einem leisen Klacken. Die Spannung steigt: Vorsichtig nimmt Katy Jung eine der noch warmen Vasen heraus. Stimmt die Form? Sind die Oberflächen eben? Oder ist doch etwas ab geplatzt? „Beim Glattbrand kann so viel schiefgehen“, sagt die 36-Jährige. Mehr als einen Tag und eine Nacht war das Porzellan bei rund 1300 Grad im Ofen. Dabei wird es weich und kann sich verziehen. Hauchdünn sollen die Vasen werden, aber sehr solide und bruch sicher gebrannt. Erst wenn sie die Ofentür öffnet, weiß Katy Jung, ob sie alles richtig berechnet hat.

„Porzellan ist ein unglaublich spannendes Material. Man muss weit voraus denken, wie es sich je nach Form im Ofen verhalten wird“, sagt Jung und streicht sich eine Strähne ihrer dunkelblonden Haare aus dem Gesicht. Ein bisschen weißer Porzellanstaub bleibt dabei auf der Wange zurück. Der feine Staub liegt überall: auf ihren Brauen, auf der schmalen Nase, auf dem Arbeitstisch am Fenster, in den Regalen und auf dem grauen Steinfußboden. Nur auf ihrer Kleidung sieht man ihn nicht. Die gebürtige Thüringerin arbeitet ganz in Weiß. Immer.

Doch von Anfang an: In ihrer Werkstatt beginnt alles in dem großen Holzfass direkt neben der Eingangstür. Hier wird eine Masse aus Quarz, Feldspat und Kaolin so lange gerührt, bis sie glatt ist wie flüssige Schlagsahne. Diese Masse, Schlicker genannt, füllt Katy Jung in Gipsformen und schüttelt sie, damit später keine Bläschen im Porzellan sind. Bereits nach drei Minuten hat sich der sogenannte Scherben gebildet, eine millimeterdünne Porzellanschicht. Ein wenig länger muss er noch in der Form trocknen.

 

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