Die letzte ihres Standes Handwerksberuf: Masken- und Fächerkunst

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, den es nur noch selten gibt. Diesmal: die Masken- und Fächermacherin Dana Schneider aus München.

Handwerksberuf: Masken- und Fächerkunst ©

Nur einen Steinwurf von den modernen Läden der Fußgängerzone entfernt, versteckt sich in einer Seitengasse des Münchner Hackenviertels ein ganz einzigartiges kleines Geschäft. „Il Teatro“ heißt das winzige Reich, dessen Herrin Dana Schneider ist. Sie ist mittelgroß, mittelblond, Mitte dreißig und überdurchschnittlich begabt in zwei Künsten: dem Masken- und Fächermachen. Beides uralte Handwerke, die in Deutschland nur ganz wenige beherrschen. Ihre Ausbildung hat sie in einer der schönsten Städte der Welt gemacht: in Venedig selbst. Dana Schneider, ursprünglich an der Meisterschule für Mode in München zur Textildesignerin ausgebildet, hatte schon ein paar Jahre Stoffmuster für Firmen am Computer entworfen, als ihr klar wurde: „Nichts mit der Hand zu schaffen und nur am Rechner zu sitzen frustrierte mich auf Dauer total.“

Durch Zufall erfuhr sie von Bekannten, dass deren italienische Freunde eine alteingesessene Fächer- und Maskenwerkstatt in Venedig führen. „Dort habe ich mich beworben“, sagt Schneider. Eine echte Ausbildung zur Fächer- oder Maskenmacherin gibt es nicht: Learning by doing ist angesagt, wenn man die Zunft, deren Wurzeln bis ins Spätmittelalter zurückreichen, beherrschen will. Ein knappes Jahr sah die Deutsche den Italienern über die Schulter, fertigte selbst Maske um Maske aus einem speziellen, mit Textilfasern durchwirkten Pappmachépapier und plissierte Hunderte von Fächern.

Irgendwann entwarf sie dann ihre Stücke selbst. Schlichter, als die Tradition es vorgibt, und damit zeitgemäßer, moderner. „Ich wusste sofort: Das war’s, wonach ich so lange gesucht hatte! Eine Möglichkeit, mein Talent zum Design mit handwerklichem Arbeiten zu verbinden“, so Dana Schneider. „Und das Verkleiden, der Tanz und das Theater haben mich ohnehin schon immer fasziniert.“ Mit ihrem in Italien erworbenen Können ging die Deutsche schließlich zurück nach München. „Die Konkurrenz war in Venedig einfach zu groß. Dort gibt es an jeder Ecke mehr oder weniger gute Fächer- und Masken-Ateliers“, erzählt sie.

In Deutschland hatte sie zwar kaum Konkurrenz, aber auch erst mal wenig Kundschaft – zu ausgefallen war ihr Handwerk, zu unbekannt ihr Name, um auf Anhieb finanziell erfolgreich zu sein. Doch Dana Schneider glaubte an ihr Talent. Und tatsächlich hat sich heute, vier Jahre später, ihr Atelier weit über die Grenzen Bayerns hinaus etabliert.

 

1 2
Seite 1 : Handwerksberuf: Masken- und Fächerkunst