Handwerksberuf Krippenbauerin

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, der schon fast ausgestorben ist. Diesmal: die KRIPPENBAUERIN Anne-Grete Friedemann aus der Eifel.

Anne-Grete Friedemann Krippenbauerin © <a href="http://jalag-syndication.de" target="_blank">jalag-syndication.de</a>

Eichenscheite stapeln sich vorm Fenster, fahles Licht fällt auf braune Jutesäcke, aus denen Stroh quillt. Daneben liegen bündelweise Äste und Zweige, die Luft duftet nach Heu. In den Schränken drängen sich Figuren und Tiere aus Holz: Schafe, Kühe, Hühner, sogar Elefanten. Auf dem Tisch liegen Bohrmaschine, Hammer und ein Messer, dessen Griff halb abgebrochen und dessen Schneide verrostet ist. Zwischen allem steht Anne- Grete Friedemann, deren Name so gut in diese Handwerks-Idylle passt, als hätte ein Dichter ihn erfunden. Anne-Grete Friedemann schaut sich um: „Chaotisch, aber warm“, sagt sie und stellt sich an die Arbeitsplatte, auf der eine halb fertige Scheune steht.

Krippen aus dem Mittelalter

Die 60-Jährige aus Korlingen bei Trier lebt als eine der letzten Frauen in Deutschland vom Krippenbau – einem Handwerk, das der Legende nach auf Franz von Assisi zurückgeht. Heiligabend 1223 soll er die Geburt Jesu in einer Krippe szenisch nachempfunden haben. Jahre später verbreitete sich die Weihnachtsgeschichte als geschnitztes Theater über Klöster und Kirchen in ganz Europa. Dabei entwickelten die jeweiligen Krippenbauer landestypische Stile. Seit dem 18. Jahrhundert schmücken die Menschen auch ihr Zuhause mit einer Weihnachtskrippe. Neben dem klassischen Eselstall gibt es regionale Krippen, in denen Jesus schon mal in einer Sennhütte zur Welt kommt und Maria und Josef Tracht tragen.

Dieser Tradition folgt auch Anne-Grete Friedemann: „Vorbilder meiner Krippen sind die Bauernhöfe in der Eifel und im Hunsrück.“ Pläne, Skizzen, Zeichnungen benötigt sie nicht. Einzelne Szenen im Innern der Krippe fallen ihr zum Beispiel beim Frühstück ein. Oder wenn sie ihr Arbeitsmesser hebt und einmal über die stumpfe Klinge streicht. „Damit mache ich seit 20 Jahren praktisch alles.“ Und das sieht zum Beispiel so aus: Anne-Grete Friedemann zimmert einen kunstvollen Stall mit Fachwerk, Turm und Nebengebäuden und dekoriert dann mit viel Fantasie eine entsprechende Szene mit der Heiligen Familie. Sie knipst Zweige auseinander, legt sie auf den Staub und bröselt ein wenig trockene Rinde darauf. Dann schneidet sie einen Dübel zurecht, klemmt damit einen kleinen Eichenklotz auf der Platte fest, streicht mit dem Messer Leim herum, tupft Heu darauf. „Das strahlt Wärme aus, nicht wahr?“

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