Handwerksberuf: Hostienbäckerin

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, der schon fast ausgestorben ist. Diesmal: die HOSTIENBÄCKERIN Schwester Revokata vom Kloster Reute.

Hostienbäckerin ©

Es ist ein kalter, windiger Montag, als Schwester Revokata an diesem Morgen die Hostienbäckerei betritt. Grau dringt das Tageslicht durch die hohen Klosterfenster in den kalkweiß gestrichenen Raum; eine Leuchtstoffröhre verteilt klinischen Charme über den blitzblanken Linoleumboden, auf Tische, Servierwagen und Plastikschüsseln. Über der Spüle hängt eine Jesusfigur am Kreuz, als wolle sie der Franziskanerin zuschauen, wie sie den Teig für die Hostien zubereitet – jenes ungesäuerte Brot, das bei der Eucharistiefeier gereicht wird. Nach katholischem Glauben verwandelt sich das Brot währenddessen in den Leib Christi.

Nur Wasser und Mehl

Das Kloster Reute liegt weithin sichtbar auf einer Anhöhe in Oberschwaben. Mit dem Hostienbacken begann man dort schon 1873, nur wenige Jahre nachdem eine kleine Gemeinschaft von Franziskanerinnen das Gebäude gekauft hatte. Seitdem hat sich die Tradition gehalten, Hostien selbst zu fertigen – einerseits für den Eigenbedarf, andererseits für einige Pfarreien im weiteren Umkreis des Klosters sowie ein paar Altenheime.

„Es gehört zum Urauftrag der franziskanischen Familie, alles, was zum Gottesdienst zählt, sauber und schön herzustellen und aufzubewahren“, erklärt Schwester Revokata. „Die Hostien sollen würdig sein.“ Die Vorbereitungen zum Backen gehen ihr flink von der Hand: Hostieneisen einschalten, Teig anrühren – eine Küchenmaschine vermengt Wasser aus dem Klosterbrunnen mit feinem Weizenmehl zu einer glatten, weißen Masse. Von den Backgeräten steigt Wärme auf. Wie zwei ungewöhnliche Waffeleisen legen sie auf Hüfthöhe ihre Edelstahlplatten bloß. Das eine ist 80 Jahre alt, das andere 72, jedes Gerät wiegt rund 90 Kilo. Damit sich die Hostieneisen verschieben lassen, hat ein Handwerker sie auf Rollen montiert. Praktisch ist das, auch fürs Aufräumen.

 

1 2 3
 
Schlagworte: