Die letzte ihres Standes Handwerksberuf: Die Zuckerbäckerin

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, der schon fast ausgestorben ist. Diesmal: die Zuckerbäckerin Sabine Pingel-Graßhoff aus Bendorf

Pfefferminz-Bruch Handwerksberuf: Die Zuckerbäckerin © Jalag-Syndication.de

Den Weg ins Paradies weist ein verführerischer Duft: Weich, zart und karamellig wärmt er die Morgenluft in Bendorf, einem kleinen Ort in Schleswig- Holstein. Dieser Duft lockt den Besucher bis vor die Bonbonmanufaktur der Familie Pingel. Tür auf – ein Blick genügt, schon ist auch das Auge berauscht: Kupferkessel schimmern rotgolden, auf alten Maschinen drehen sich bronzene Walzen, in den Regalen türmen sich Bonbons in Tüten, von deren Größe wohl nicht einmal Kinder zu träumen wagen – und über allem liegt dieser wunderbar süße Duft. „Den nehme ich gar nicht mehr wahr, weil ich jeden Tag hier bin“, sagt Sabine Pingel-Graßhoff. „Das ist aber der einzige Nachteil. Ansonsten arbeite ich im tollsten Beruf der Welt.“

Als eine der letzten Frauen in Deutschland verdient die 46- Jährige ihr Geld als Zuckerbäckerin mit handgemachten Träumen aus Karamell und Schokolade. Vor 100 Jahren hatte der Urgroßvater die Familientradition in Hamburg begründet; 1967 zogen ihre Eltern aufs Land, um den eigenen Betrieb aufzubauen. „Der ist dann Stück für Stück gewachsen – und meine Schwester und ich waren immer mittendrin“, sagt Pingel- Graßhoff. So konnte sie beobachten, wie ihre Familie mit einem Handwerk Erfolg hatte, dessen Anfänge bis ins Mittelalter zurückreichen. Während sich damals die Bäcker um das Brot kümmerten, sorgten Zuckerbäcker für süßen Luxus; Lebkuchen, verfeinert mit Honig, oder wertvolle Köstlichkeiten aus Marzipan. Jahrhunderte später kam Schokolade hinzu – und irgendwann hieß der Zuckerbäcker schließlich Konditor. Ähnlich verlief die Pingelsche Firmengeschichte: Zunächst lagen vor allem selbst gemachte Bonbons und Liebesäpfel in der Auslage, dann Königsberger Marzipan; Sabine Pingel-Graßhoff selbst erweiterte das Sortiment um Schokoladentrüffel – und beglückt die Kunden inzwischen außerdem mit Baumkuchen und Bärentatzen. „Mir war immer klar, dass ich einmal bei meinen Eltern arbeiten will“, sagt die 46-Jährige, „schließlich bin ich im Betrieb groß geworden.“

 

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