Möbelrestauration Fassmalerin Inge Rebattu

Omas Schrank, Muttis Stühle: heiß geliebt, aber leider aus der Mode? Ein Fall für Fassmalerin Inga Rebattu, die daraus neue Schmuckstücke macht. Mit frischer Farbe und viel Patina.

Fassmalerin Inge Rebattu ©

Schön alt – so ist alles am „Deichhof“: die holperigen Pflastersteine der Auffahrt, das Reetdach mit den kleinen Gauben, das knarrende Tor, das zur Werkstatt der Fassmalerin Inga Rebattu führt. Die gebürtige Hamburgerin weiß, dass sie den meisten Leuten ihren Job, der nichts mit Fässern, sondern mit Farbtöpfen zu tun hat, näher erklären muss: Ihr Metier ist es, Möbelstücken durch Farbe „eine neue Fassung“ zu geben. Daher kommt die Berufsbezeichnung Fassmalerin. Gemessen an den 600 Quadratmetern Grundfläche des Anwesens ist die Arbeitsstätte der 44-Jährigen relativ klein. Ein paar Tische und Regale voller verbeulter Farbtöpfe, Tuben, Pinsel und Werkzeuge. Ringsherum einige Auftragsarbeiten: Schränke, Bilderrahmen, Spiegel.

Der „Deichhof“ im idyllischen Ort Haseldorf in der Elbmarsch nahe Hamburg beherbergte die längste Zeit seiner 400-jährigen Geschichte Vieh. Seit sich Inga Rebattu hier vor acht Jahren einmietete, bietet er die perfekte Kulisse für Möbel. Zur Fassmalerin bringen die Kunden vor allem Stücke, die altmodisch geworden sind. Zum Beispiel den Schrank an der Werkstattwand rechts vom Eingang: Ein Streifen aus blau-weißen Kacheln unterbricht die nussbraune Optik wie ein Fremdkörper. „Nicht gerade schön“ findet ihn Inga Rebattu. „Gelsenkirchener Barock eben.“ Auch die Besitzer mochten die Farbe nicht mehr. „Aber Hauptsache, die Form passt noch ins Wohnzimmer – um die Oberfläche kümmere ich mich.“

Wer sein Möbelstück wie dersieht, nachdem es in Inga Rebattus Händen war, ist erstaunt über die frische Ausstrahlung – wie bei dem wunderschönen Küchenschrank mit Glasfensterchen. Dieses mintgrüne „Sylter Buffet“ ist ein echter Blickfang. Dabei hat Rebattu nur die Farbe von Creme auf Grün verändert. Doch allein den perfekten Ton zu finden kann Tage dauern – und viele Versuche. „Ich liebe es, Farben anzurühren“, sagt sie. „Aber wenn ich einen schlechten Tag habe, brauche ich damit erst gar nicht anzufangen. Das wäre nur Materialverschwendung.“

Bevor sie zum Pinsel greift, muss die Vorarbeit gemacht werden: „Ist die alte Farbe abgeschliffen, gleiche ich Unebenheiten mit Kreide oder Gips aus“, erklärt Rebattu. Danach kommt Schicht für Schicht die neue Farbe drauf. „Sieben Anstriche liegen unter dieser Vergoldung“, sagt sie und zeigt auf einen weißen Stuhl mit Goldschimmer im Louis-Seize-Stil. Es ist echtes Blattgold, was dem Sitzmöbel seine feudale Note verleiht. Die eigentliche Königsdisziplin der Künstlerin kommt ganz zum Schluss: das Patinieren. „Damit lasse ich die Möbel künstlich altern und gebe ihnen zudem meine eigene Handschrift.“ Denn nur an der Patina erkenne man den Künstler. Deshalb seien die Rezepturen auch geheim.

 

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