Die letzte ihres Standes Die Tapetenmalerin

In unserer Serie stellen wir Ihnen einmal im Monat einen Handwerksberuf vor, den es schon fast nicht mehr gibt. Diesmal: die Tapetenmalerin Sabine Ochs aus Frankfurt am Main

Tapetenmalerin Sabine Ochs Die Tapetenmalerin © jalag-syndication.de

Das Stück Papier, das sie in den Händen hält, ist nicht größer als eine Streichholzschachtel. Ein paar Linien sind darauf zu erkennen, die Farbe wechselt zwischen Oliv und Braun. „Als ich es das erste Mal sah, fragte ich mich: Woran erinnert dich das? Und plötzlich wusste ich es – an ein Blatt“, erzählt Sabine Ochs.

Rätselraten gehört für die Hessin zum Beruf. Denn Sabine Ochs, 51, ist Tapetenmalerin und Spezialistin für historische Wandkleider. Besagtes Stück Papier hatte ihr die tschechische Denkmalpflege gegeben, der die Villa Bauer bei Prag gehört. Das heutige Museum und frühere Wohnhaus eines jüdischen Industriellen sollte in alter Pracht renoviert werden: Die Rekonstruktion der Originaltapete überließ man Sabine Ochs. Weil sie als eine Fachfrau gilt, die selbst die schwierigsten Wandaufgaben lösen kann – mit ihrer nahezu einmaligen Mischung aus Erfahrung, Fantasie, kunstgeschichtlichem Wissen und handwerklichem Können. Bevor sie sich ans Werk macht, forscht Ochs im Internet nach Mustern, studiert zeitgenössische Gemälde, stöbert im Archiv des Tapetenmuseums in Kassel. Erst wenn sie alle Informationen ausgewertet hat, skizziert sie einen Entwurf. Im Fall der Villa Bauer: ein dichtes Blätterwerk mit ganz feinem Raster.

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Autor:
Constanze Kleis