Die wichtigsten Frauen der letzten 100 Jahre Aung San Suu Kyi

Die Politikerin Aung San Suu Kyi stemmt sich gewaltfrei gegen Birmas Militärdiktatur

Aung San Suu Kyi Aung San Suu Kyi © Getty Images

Die Freiheit der anderen – Aung San Suu Kyi ist sie mehr wert als die eigene: Die Politikerin verbrachte in ihrer Heimat Myanmar 15 Jahre unter Arrest, in ihrem Haus oder sogar hinter Gittern. Am 13. November 2012 wurde sie endlich aus dem Arrest entlassen. Sie durfte während dieser Zeit weder telefonieren noch Besuch empfangen. Selbst ihrem schwer kranken Mann verweigerte das Militärregime die Einreise. Er starb 1999 in England, bei seiner Beerdigung war sie nicht dabei. Ihre beiden im Ausland lebenden Söhne sah die zierliche Frau mit dem zarten Gesicht jahrelang nicht. Schon viel früher hätte sie ihre Freiheit zurückhaben können – hätte sie eingewilligt, ihr Land zu verlassen. Sie tat es nicht. Wer ist diese Frau, heute 66, die ihr eigenes Glück opferte – für ein demokratisches Birma, für ein Ende der Unterdrückung?

Was Mut betrifft, folgt Aung San Suu Kyi ihrem Vater, der in Myanmar als Nationalheld verehrt wird. Denn er rebellierte in den 1940er Jahren gegen die britische Kolonialherrschaft. Kurz vor Erlangung der Unabhängigkeit Birmas, als seine kleine Tochter gerade mal zwei Jahre alt war, wurde er erschossen. Willensstärke lernte das Kind von der Mutter, einer Diplomatin, die ihre Tochter in Indien großzog. In England studierte Aung San Suu Kyi Politologie, Philosophie und Wirtschaftswissenschaften. Sie arbeitete bei den Vereinten Nationen, ging mit ihrem Mann, einem britischen Wissenschaftler, nach Bhutan, lehrte als Dozentin in Kyoto und Neu-Delhi. 1988 kehrt sie nach 30 Jahren im Ausland zurück nach Birma, um ihre kranke Mutter zu pflegen – und wird zur Leitfigur des damals beginnenden Volksaufstands gegen das Militärregime, das bereits Anfang der 60er Jahre in Birma die Herrschaft an sich gerissen hat. Suu Kyi ruft zu einer „Revolution des Geistes“ auf, zu gewaltfreien Demonstrationen, Sitzblockaden und kritischen Reden. Die Demokratiebewegung wird von den Militärs brutal niedergeschlagen.

Aung San Suu Kyi, geboren 1945, erhielt 1991 den Friedensnobelpreis.

Doch Suu Kyi gibt nicht auf: Die von ihr gegründete „Nationale Liga für Demokratie“ (NLD) gewinnt bei den Wahlen 1990 haushoch, fast wäre die unbeugsame Kämpferin Ministerpräsidentin geworden. Doch die Militärs ignorieren ihren Sieg. Die Welt tut es nicht: Ein Jahr später wird die Menschenrechtlerin mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Aber da ist sie schon die Gefangene ihres Landes – Mann und Söhne nehmen für sie den Preis in Oslo entgegen. Die Angst der Generäle vor der Beharrlichkeit der Birmanin war immer gewaltig: Kurz vor ihrer Entlassung noch erließ Diktator Than Shwe ein Gesetz, das politischen Gefangenen wie ihr verbietet, für Wahlen zu kandidieren. Unbeugsam, ausdauernd, gewaltfrei – in ihrem Widerstand und ihrem Wesen erinnert Aung San Suu Kyi an Gandhi, in dessen Heimat sie aufwuchs. So etwas wie Rache habe sie noch nie empfunden, sagt sie. Und dass sie nicht aufgibt, ist für die Buddhistin, die täglich meditiert, auch Glaubenssache: Jeder sei für sein Karma selbst verantwortlich, sagt sie, Passivität sei daher nicht angebracht. „Ich fordere die Menschen auf, stets eine suchende, forschende Haltung einzunehmen“, appellierte sie einmal an ihre Landsleute. „Sie ist eine große Hilfe, wenn es darum geht, Gewalt oder Unterdrückung standzuhalten.“

Heute, endliche frei, setzt sie sich weiterhin für das Wohl ihres Landes ein, will sich sogar wieder zur Wahl stellen lassen. Regisseur Luc Besson erzählt ihre Geschichte nun für das internationale Kinopublikum. Der Film "The Lady - Ein geteiltes Herz" mit Michelle Yeoh in der Rolle der Suu Kyi läuft in Deutschland am 15. März 2012 an.