Nordosten von Polen
Bilderbuchreise durch den Norden Polens
Im Nordosten Polens macht man Urlaub wie im Bilderbuch. Eine Reise zu einsamen Seen, prächtigen Schlössern und Wildpferden, die über das weite Land ziehen
Er ist schon ein echter Halbstarker. Der graue Hengst namens Iluzjon gehört zur europäischen Spitzenklasse der Springpferde, doch an seiner Disziplin hapert es noch. „Er ist sehr begabt, aber ein bisschen ungezogen“, sagt Joanna Palyska mit einem nachsichtigen Lächeln, als sie durch die Ställe ihres Gestüts Galiny führt. Palyskas Hofanlage mit angeschlossener Reitschule, Schlosshotel und Restaurant liegt in dem Dorf Gallingen (polnisch: Galiny) im Norden Polens. Iluzjon ist das beste Pferd im Stall, ihm gilt der Neid europäischer Reiter – und die Liebe von Joanna Palyska. „Züchter sollen nicht mit zu viel Gefühl an die Sache herangehen, aber er ist mir ans Herz gewachsen“, gesteht sie. „Mir wurden schon sehr hohe Summen für ihn geboten. Ich habe abgelehnt.“
Iluzjon gehört zur Rasse der Trakehner, anmutige Warmblüter, benannt nach dem Ort Trakehnen im heutigen Kaliningrad, dem nödlichsten Zipfel des früheren Ostpreußen. Die russische Exklave zwischen Polen und Litauen liegt nur 20 Kilometer von Gallingen entfernt, damit markiert das Dorf ungefähr den nördlichen Rand der Region Masuren. Eine märchenhafte Gegend, weites Land, unberührte Natur – und ziemlich wenig Menschen: Auf jeden Quadratkilometer Masurens kommen etwa 60 Einwohner, in Deutschland sind es fast viermal so viele. Besonders in der Nebensaison im Herbst und im Frühling kommt es vor, dass Reisende auf Autofahrten unter den Laubdächern schattiger Alleen stundenlang niemanden zu sehen bekommen.



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