Doras Welt

Ballverliebte Frauen

Hier die ultimative Wissensliste fürs Public Viewing. Punkten kann man damit natürlich auch zu Hause – überall dort, wo Männer sind.

Dora Heldt Ballverliebte Frauen © Jalag Syndication

Gehören Sie auch zu den Fußballfans? Wenn ja, dann sollten Sie diese Kolumne lesen, wenn nicht, dann können Sie in aller Ruhe weiterblättern. Oder Sie lesen sie doch und ändern anschließend Ihre Meinung.

Weg mit den Klischees - Frauen lieben Fussball

Wir Frauen stellen nämlich mittlerweile 30 Prozent der Fußballfans, und was passiert? Wir werden nicht ernst genommen. Männer glauben anscheinend, die EM wird nur für sie ausgerichtet. Sie lassen uns zwar mitgucken, sehen uns aber mitleidig an, wenn sie nicht gerade Sätze wie „Die Blauen sind übrigens die Franzosen“ oder „Bleib ruhig, Liebes, der ist viel zu jung für dich“ loslassen. Nur weil sie früher in der C-Jugend des VfL Kleckersdorf in der Abwehr gespielt haben, glauben sie, dass sie für alle Zeiten den großen Durchblick behalten. Und uns Frauen alles erklären müssen. Aber damit ist jetzt Schluss. Dieser Fußballsommer wird weiblich. Und damit meine ich nicht, dass wir Frauen Mario Gomez sexy oder Mats Hummels süß finden sollen (der eine vom FC Bayern München, der andere von Borussia Dortmund). Oder dass wir die Outfits und Frisuren der Spielerfrauen kommentieren müssen. Mit diesen Nebensächlichkeiten geben wir uns nicht mehr ab. Wir können auch anders.

Ich möchte mal die Gesichter der Männer sehen, wenn Sie beim Durchqueren des Raums fallen lassen, dass Sie Iniesta, Villa und Silva (alle drei Spanier) für begnadet halten, dass Huntelaar (Holländer) zwar keinesfalls Ihr Lieblingsspieler, aber nicht schlecht sei, und dass Sie sofort Nicolas Anelka (Franzose) kaufen würden, aber nur wenn Özil (Deutschland) tatsächlich nicht zu haben wäre.

Wir wissen natürlich, dass in der wichtigen Gruppe B neben unseren deutschen Helden die Niederländer, die Portugiesen und die Dänen spielen. Und wir sollten auch ruhig mal fallen lassen, dass der Bundestrainer Portugal und den Niederlanden Weltklassespieler zuschreibt und Dänemark für eine unbequeme Turniermannschaft hält.

Die emanzipierte Frau mischt sich ein

Danach hebeln Sie mit einem Feuerzeug den Kronkorken von einer Bierflasche (muss man üben) und erwähnen kurz, dass der offizielle EM-Ball „Tango 12“ heißt, der Pokal nach Henri Delaunay, dem ehemaligen französischen UEFA-Generalsekretär, benannt ist und das Finale im NSK Olimpijskyj in Kiew stattfindet.

Die deutsche Nationalmannschaft wohnt übrigens im Hotel „Dwor Oliwski“ in Danzig, und die EM-Maskottchen heißen Slavek und Slavko. Und wenn das alles nicht wirkt, erklären Sie bei erster Gelegenheit einfach die Abseitsregel: Ein Spieler befindet sich im Abseits, wenn 1. er sich zum Zeitpunkt des Abspiels in der gegnerischen Hälfte befindet und 2. näher an der gegnerischen Torlinie ist, als der Ball und der vorletzte Gegenspieler es sind.

So einfach ist das. Und zur Not kann man diese Regel auch auswendig lernen. Männer verstehen die nämlich auch nur in Ausnahmefällen. Aber wir haben sie dann im Kopf.

Ich wünsche allen viel Spaß bei der EM, schöne Spiele, schöne Tore und viele weibliche Fans. Mit ballverliebten Grüßen, Ihre Dora Heldt

Erfahren Sie und lesen Sie hier mehr von FürSie Kolumnistin Dora Heldt

 
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