Crouffins

Donnerstag, 5. November 2015 - 11:43

Mein Tapas-Tempel Palma

Mallorca hat viel mehr zu bieten als Partys und traumhafte Strände. Kerstin hat sich in Palma auf eine Tapas-Tour für euch gemacht.

Kerstin Görn auf Palma Mein Tapas-Tempel Palma © Kerstin Görn

Mallorca im Oktober

Einmal im Jahr muss ich einfach nach Malle. Dann mieten wir die Finca von unseren Freunden Ralf und Sabine in Ariany, in der Nähe von Arta, Manacor. Eigentlich sind wir immer Juli/August dort, diesmal musste ich aber erst die Weihnachtsproduktion im „Kasten“ haben, mein Mann war auch im Stress und so rutschte unser Trip immer mehr gen Herbst und es klappte erst im Oktober.

Kerstin Görn

Kerstin ist stellvertretende Foodchefin der Zeitschrift FÜR SIE und bringt immer viele Ideen von ihren Reisen mit. Ihr Motto: Fertig gekochte Gerichte mit frischen Zutaten toppen!

Aber ich fand, es war die perfekte Zeit. Nicht mehr so heiß, die Poolstunden sind gezählt, man unternimmt mehr.

So düsten wir mehr um und über die Insel, auch Palma sah uns öfter. Längere Strecken macht man eher mit leichter Brise im Nacken, bei sengender Hitze überlegt man es sich zweimal.

Frühstück im "La Madeleine de Proust"

Wir nehmen eigentlich immer den frühen Flieger von Hamburg, „Punktlandung“ ist dann 9 Uhr. Das ist super. Schnell das Auto besorgt und dann ab in die Stadt. Erst mal einen Cafe con leche, dann fängt bei mir der Urlaub an. Unsere erste Stadion ist frühstücken bei „La Madeleine de Proust“ im Stadtteil Santa Catalina in der Carrer D´Annibal 17. Eine Bäckerei/Cafe im französischen Stil. Super frische Patisserie-Teile. Ich liebe das „Almond Croissant“ mit weicher Mandelfüllung, das eher saftig, als knusprig ist, aber ich mags, erinnert mich an die Cote d´Azur. Am besten mit Messer und Gabel essen. Mein Mann nimmt immer eins der köstlich belegten Baguettes (unterschiedlichste Sorten und „Größen“), am liebsten mit Tunacreme. Einziger Nachteil, das Cafe ist super klein, Plätze sind Mangelware. Aber wir hatten bis jetzt immer Glück, zu zweit ist es kein Problem. Sonst gibt es in der Straße noch andere gemütliche kleine Frühstücksspots, wie z. B. das „El Perrito“ in der C/D´Annibal 20, schräg gegenüber.

Garnelen in Öl

Das Rezept für die Gambas Pil Pil, die ich in Palma gegessen habe, findet ihr >>hier

Direkt daneben befindet sich der „Mercat municipal de Santa Catalina", eine Markthalle, von 7.00-17.00 Uhr geöffnet. Von unserem Lieblingscafe aus, schaut förmlich drauf. Also nicht zu verfehlen!

Die ist gigantisch, ob zum Mittagslunch oder einfach für die Finca einkaufen. Hier gibt es alles in Top Qualität, frisches Fleisch, einheimische Fische, diverse Schinken-, Wurst- und Käsespezialitäten. Genial „la fabrica“, ein Stand mit frisch geformten, rohen Mini-Burgern in zig Geschmacksrichtungen, ideal zum Selbergrillen. Und natürlich einen Tapasstand, die „Bar La Tapita“, wo morgens schon die Spanier stehen und köstliche, klassische Tapas essen. Müsst ihr probieren! Und einen Sushistand mit super frischem Fisch, vorallem auch mit rohen, hiesigen Fischen.

In Spanien isst man spät am Abend

Überhaupt ist diese Ecke kulinarisch spannend. In der Parallelstraße „Carrer de la Fabrica“, einer Fußgängerstraße, reihen sich dicht an dicht, Restaurant oder Bar aneinander. Mein Tipp: „La casita“ in der Carrer de la Fabrica 15,: ein kleines Restaurant mit neuen Tapas-Ideen. Ich liebe die Tapas-Klassiker, teste gern aber auch mal was anderes, kreatives. Aber aufgepasst, in Spanien, also auch die Mallorquiner, essen spät, egal ob mittags oder abends. Wir schlenderten gegen 19.00 Uhr in dieser Zone, die Restaurants fingen erst gemütlich an, die Tische draußen zu decken. Also machten wir noch eine weitere Runde. 20.00, 20.30 Uhr ist besser, entspannter für alle! Genial und super köstlich waren die frittierten Auberginen-Chips mit Ziegenfrischkäse und Honig, klingt eigenartig, war aber total lecker. Vielleicht verrate ich euch noch das Rezept.

Mein Rezept für knusprige Auberginen-Chips mit Ziegenkäse und Honig findet ihr >>hier

Mein Mann hatte Tomatenscheiben mit marinierten Tunastückchen und dünnen, roten Zweibelscheiben belegt, mit einem Balsamico-Dressing. Auch köstlich. Wir probierten uns so durch die kleinen Köstlichkeiten, alles lecker. Und die Weine pro Flasche zu moderaten Preisen, sehr gut dazu.

In diesem Viertel gibt es auch das „Patron de lunares“, Carrer de la Fabrica 30, das mir unser Modechef Jörg Blum empfohlen hatte. Hab es mir angeschaut, ist ein großer „Speisesaal“ in einer ehemaligen Boots- und Fischerhalle gelegen. Leider sehr begehrt und schnell ausgebucht. Spontan hingehen, geht gar nicht. Wir haben es versucht, erfolglos. Fand es sehr interessant, nächstes Jahr ist es fällig, dann reserviere ich vorher, hab ich mir jedenfalls schon mal vorgenommen!

Insgesamt ist dieses Viertel noch etwas versteckt, aber es beginnt mehr und mehr trendy zu werden. Auch die kleinen Boutiquen und Interieurläden (wie z. B. Frida Watson, C/ D' Anníbal, 5) sind toll und ein bisschen individueller als im Centrum.

Tapas-Menü im 13%

Auch mitten in der Stadt gibt es viele Tapas-Spots, oft in den kleinen verwinkelten Gässchen, schwer zu finden. Eins davon ist das 13% (C/Sant Feliu 13 a), eher eine Weinbar. Wenn man nach Palma reinkommt, am Platz Passeig des Born, gleich vornean, wo sich die Filiale des Promifriseurs Udo Walz (nicht zu verfehlen) befindet, einfach weitergehen. Dann an einem Weinfass vorbei ein paar Stufen herunter, dann hat man es geschafft. Hier gibt es mittags ein 3 Gänge-Tapas-Menü aus einer Sechserauswahl plus Dessert zu 10,80 Euro. Mit dabei köstlich gefüllte Paprika, die typischen Papas arrugadas, gekochte Kartoffeln mit Salzkruste mit Mojo-(Paprika-Dips). Alles „organic“, auch Hühner und Rindfleisch aus ökologischer Haltung, was für die Spanier, auch Mallorquiner, recht selten ist, aber langsam fängt es an... Die Weine dazu, alles insgesamt gut und von Grund auf gekocht. Sehr freundlich und vorne auch gemütlich. Die hinteren Tische gehen so!

Sterneniveau im "Bite"

Aber mein Tapas-Liebling ist das „Tast“, Carrer de la Unió, 2. Super central gelegen, direkt an der Ecke bei der bekannten „Bar Bosh“, Plaza Rei Joan Carles I, 6. Langsam gehen, sonst ist man schon vorbei, von außen etwas unscheinbar! Ein buntes wuseliges Treiben von Einheimischen und leider auch immer mehr Touristen (was gut ist, es spricht sich eben herum), sowohl mittags, als auch abends. Ich finde es aber als Shoppingbreak am besten. Manchmal wird man auch nach unten gesetzt, vorallem, wenn die Gruppe größer ist, das kann ich nicht empfehlen, keine Atmosphäre, ziemlich hell und vom Treiben bekommt nichts mit, was schade ist.

Beim Reinkommen bestaunt man schon, entlang der Theke, Tapas-Spezialitäten, serviert auf knusprigen Brotscheiben, sogenannten Pinchos, wo man schon mal zugreifen kann. Mit einem Glas Cava, schön kalt, vertreibt es einem schon mal die Wartezeit. Wenn man nach einem Einkaufsbummel vorbei schaut, muss man sich oft erst mal auf einer Liste eintragen. Aber macht nichts, irgendwie geht´s dann doch schnell und schon hat man einen Platz und kann von der Schiefertafel kleine „Schweinereien“, wie z. B. gebratenes Rinderfilet mit Foi gras und gedünstetem Apfel oder mit Roquefort, Schweineschnitzelchen mit Aiolisoße überbacken, Kabeljau mit Salsa brava, Mini-Hamburguesa mit Bacon und Käse - alles sooo lecker - bestellen. Oder auch Klassiker von der Karte auswählen, geht auch, schmeckt auch. Alles gut! Ich trinke am liebsten ein Gläschen Cava Rosé dazu.

Langsam bekomme ich Appetit, was soll´s! Auf zu meiner Neuentdeckung außerhalb der Innenstadt, Richtung Wasser, Strand und Portixol, dem "Bite" (Paseo Portixol 5). Hier kann man super draußen sitzen und „Tapas de Luxe“ zu fairen Preisen essen, super kreativ, jedes „Kleine“ ein Highlight. Der Chef Igor Rodriguez hatte vorher das Ummo in Santa Catalina (so schließt sich der Kreis). Insider nennen ihn auch den „Tapaskönig von Palma“ (er belegte den 2. Platz bei der spanienweiten Tapa & Pincho-Meisterschaft). Unbedingt hingehen, auch hier organic, sie arbeiten mit der Firma „loveat“ zusammen, es gibt auch ein Shop in Santa Catalina, in der Carrer de la Fabrica 20! Ich finde es auf der Terrasse mit Blick aufs Wasser am schönsten, aber auch innen ist es gemütlich, modern, aber mit Flair, in den Farben weiß und türkis.

Probiert mal Goldmakrele auf feinem Ziegenfrischkäse-Parfait. Jakobsmuschel-Ceviche mit Avocado, Fenchel, Birne und Taco-Chips, in einer Fischdose serviert. Oder Hanoi Rolle, mit Mangostreifen, Blattsalat und Hähnchenfilet zum Selbst zusammenrollen - auf „Zeitungspapier“ serviert. Oder das Rindfleisch-Tatar. Oder, oder oder... Alles pro each um 4,50 Euro. Mega gut und super schön angerichtet. Sterne-Niveau! Kleiner Tipp on Top: Auch die Paellas sind genial....

Sightseeing in Palma

Ich glaube, ein weiterer Geheimtipp ist das „EL Tapas de Flanigan“, Passeig Mallorca 20), steht auch ganz oben auf meiner Liste. Das Flanigan im Jachthafen Puerto Portals ist ja legendär, vor allem der Tomatensalat, jetzt haben sie auch eine Tapas Bar aufgemacht, was mir sehr zupass kommt. Es liegt in einer nicht so spektakulären Ecke, wo man gutes Essen eher nicht vermutet. Aber um so interessanter. Vielleicht könnt ihr es ja vor mir testen - Neid!!!

Wer natürlich nicht mit auf die Tapas-Erkundigungen kann, ist Murphy, unserer Welsh-Terrier. Der bleibt brav auf der Finca am Pool! So, nun aber viel Spaß bei meiner Tapas-Tour, morgen verrate ich mehr...

Ach, fast hätte ich es vergessen: Die Kathedrale „La Seu“ unbedingt besuchen, aber bloß nicht, wenn es regnet. Dann laufen alle dahin, jeder Inselurlauber macht „1 Tag Palma“, Sightseeing ist angesagt und voll ist die Kathedrale. Hingehen, wenn es richtig heiß und schön ist, dann klappt´s auch mit dem Durchkommen!