Crouffins

Montag, 4. Januar 2016 - 15:12

Unterwegs in Melbourne

Kerstin war in Melbourne und hat die Stadt, in der fast immer die Sonne scheint, in kulinarischer Hinsicht für euch erkundet.

Foodtipps aus Melbourne Unterwegs in Melbourne © Kerstin Görn

Melbourne – lebenswerteste Stadt

Melbourne wurde in 2015 zum fünften Mal in Folge als lebenswerteste Stadt der Welt gewählt. Wahnsinn, aber ich kann es nur bestätigen. Mich hat sie gefesselt, diese Stadt. Gerade für mich Foodie gibt es immer wieder neue Spots, Stadtteile und Straßen, die mich überraschen. Jedes Mal, wenn ich wieder hinkomme.

Kerstin Görn

Kerstin ist stellvertretende Foodchefin der Zeitschrift FÜR SIE und bringt immer viele Ideen von ihren Reisen mit. Ihr Motto: Fertig gekochte Gerichte mit frischen Zutaten toppen!

Mal schauen, was dieses Jahr passiert. Da mein Mann Sven beruflich für die Australian Open berichtet, nehme ich dann Urlaub und begleite ihn Anfang des Jahres, auch Silvester haben wir schon in Australien gefeiert, bei sonniger Hitze - hat auch was. Da friert man wenigstens nicht in den Abendkleidern. Perfekt, aber auch ein bisschen verkehrte Welt.

Australian Open – ein Must

Einen Aussie-Trip mit einem Besuch bei den Australian Open in Melbourne (18.-31. Januar 2016) zu verbinden, ist absolut empfehlenswert. Dort herrscht eine ganz andere Atmosphäre als bei uns. Viel bunter, lustiger und immer Sonnenschein auf den Courts. Super lifig: Auf der Anlage auf einer großen parkähnlichen Wiese mit den Einheimischen sitzen und die Matches auf einem riesigem Flatscreen verfolgen. Ansonsten habe ich natürlich die Stadt unsicher gemacht, während mein Mann gearbeitet hat.

Ach, ja, wo fange ich bloß an....? Es gibt so viele Sehenswürdigkeiten, mehr als 2000 Cafes und 3000 Restaurants. Und ständig sind neue „Streets“ trendy. „Sightseeing“ mit der City Circle Tram. Übrigens: Seit diesem Jahr kann jeder die öffentlichen Verkehrsmittel in der Innenstadt kostenlos in Anspruch nehmen. Perfekt. Ich liebe aber nach wie vor die City Circle Tram, eher nostalgische Straßenbahnen, die ständig in Melbourne herumfahren, vom Centrum bis hin zur Waterfront, toll! Das ist vor allem beim ersten Besuch in Melbourne super, so kann man in der Bahn sitzen und sich erst einmal einen Einblick von der Stadt machen, einfach aus- und einsteigen, je nach Lust und Laune. Oder einfach sitzenbleiben! Ansonsten Fahrräder mieten: „the blue bike“, für ca. 2 Euro pro Tag inklusive kostenlosem wie tragepflichtigem Helm (www.melbournebikeshare.com.au).

Laneway-Secrets

Diesmal war ich den letzten wirklichen Geheimnissen in Melbourne auf der Spur. Mehr als 200 „Laneways“, so genannte kleine Wege, die meist weder mit dem Rad noch Auto befahrbar sind, gibt es im Zentrum der Metropole des Bundesstaates Victoria. Diese kann man am besten zu Fuß oder mit Hilfe der Straßenbahn erkunden.

Treffpunkt „Fed Square“

Am Federation Square, dem so genannten „Fed Square“, zwischen Flinders Street und Yarra River, trifft sich ganz Melbourne. Rund um den Platz drängen sich Sehenswürdigkeiten, Life-Veranstaltungen, Museen, Galerien, stylische Restaurants und Cafes. Ein buntes Treiben, von da aus kann man super starten. Oder einfach auf die Stufen setzen und die Melbournians beobachten. Auch spannend! Fast gehört man schon dazu! Nur wenige Meter entfernt, in der Port Philip Arc, befindet sich die Boutique „Lady Petrova“. Die lokale Designerin macht zauberhafte Kleider, ein bisschen im „Fairytaile style“: etwas mädchen-, feenhaft - eben einzigartig. „Lady Petrova“ verkauft sogar bis in die USA. Sehenswert für Fashion-Freaks!

Chuckle Park? – eher Mini-Sackgasse

Weiter dann zum „Chuckle Park“. Wo ist hier denn der Park? Es ist mehr ein Hinterhof, wo sich am Ende ein silbernes Wohnmobli versteckt, eine Art Diner. Wo früher nur Anlieferungen für kleine Designershops gemacht wurden, steht jetzt ein „blühender“ Wohnwagen, dekoriert mit bunten Kunstblumen und eine großen Madonna. Dieser wird sich hier wohl nie mehr wegbewegen können und wollen - frei nach dem Motto: Einmal drin, immer drin. Mit dem „Chuckle Park Bar und Cafe“ hat Annie hier ein smartes Outdoor-Restaurant erschaffen. Täglich ab 11 Uhr gibt’s hier Rolls, Wraps, Soups und Salate auf engstem Raum. Man genießt die Ruhe unter freien Himmel auf knallroten Hockern im wuseligen Finanzdistrict Melbournes. Ein Einod, das sich für eine Pause lohnt. Leckere Snacks, guter Kaffee!

Traveller Cafe – bester Cappu!

Dann mache ich mich auf, nehme die Tram in der belebten Bourke Street, fahre kostenfrei 4 Minuten bis zur Crossley Street. Dort habe ich nach kurzer Suche das Traveller Cafe, Name passt für mich doch genau, ausgemacht. Ein neues, ein kleines Cafe mit dem derzeit besten Cappuccino der Stadt. Irgendwie passend, nennt sich Melbourne doch gern „The Coffee Capital“ – die Metropole des Kaffees- weltweit natürlich. Ich finde, zu Recht! Hier nun finden gerade einmal 7-8 Personen im Stehen Platz, so kommt man schnell mit seinem Nachbarn ins Gespräch. So manches Mal wird daraus eine nette Plauderei. Dabei war genau diese kleine Straße früher eher verpönt, hieß sie bei den „Melbournians“ nur Romeo Lane. Denn hier gab’s für Geld käufliche Liebe.

Chin Chin – genial, Kochbuch gekauft

Dann erhielt ich noch den Tipp des Tages – der kulinarische Hotspot Melbournes, das ChinChin. Ein paar Querstraßen, wieder durch die schmalen, häufig mit Graffitti besprühten Laneways und prompt findet man sich in der Flinders Lane wieder, auf Höhe der ACDC-Lane, ja, die heißt wegen der australischen Heavy–Metal-Band so. Plötzlich sehe ich eine lange Schlange, die sich vor der Hausnummer 125 ansammelt. Geduldig warten hier vor allem Business-Leute. Reservierungen werden nicht akzeptiert, so Mancher muss hier zum Teil 2 Stunden auf seinen Platz warten. Aber es lohnt sich. Und wie! In dem ehemaligen Nachtclub hat Benjamin Cooper, der zuvor das Pearl überregional bekannt gemacht hatte, ein fantastisches Restaurant mit großartiger asiatischer Fusion-Küche etabliert. Der Crispy Barramundi mit karamelisiertem Pork sowie Chilli-Lime und Apfel auf Salat ist ein Gedicht, ebenso wie der BBQ Yellowfin Tuna auf Pink Grapefruit Salat mit Chilli Jam und Coconut. Zu mehr als zivilen Preisen um die 20 € für das Hauptgericht. Und – man wird bei den Portionen wirklich richtig satt. Zu lange verweilt hier jedoch keiner, denn der Gastraum ist hoch, riesig und sehr laut.

 

Red Spice Road

Dieser Spot am anderen Ende der Bourke Street ist kulinarisch und interieurmäßig mein Favorit, da müsst ihr hingehen. Auch „modern asian“, so frisch durch die Kombi aus gekochtem oder gegrilltem Fleisch und Fisch, mariniert mit Dressings aus Limettensaft und Chili, getoppt mit Salat aus frischen Kräutern, wie Minze, Koriander und Kresse. Jedes für sich ein kleines Meisterstück. Ich liebe diese Kombi von heiß und kalt, gerade, wenn es draußen „hot“ ist. Erfrischend und nicht zu schwer! Mittlerweile hat er auch noch andere „Schwester Restaurants“, aber mein Liebling ist dieses, versteckt in der McKillop Street. Ich habe dem Chef John Mc Leay beim Kochen auch schon einmal über die Schulter geguckt, sehr spannend. Die „Betel Leaf“ und das „Pork Belly mit apple slaw“ hier unbedingt probieren – genial! Wir waren mit Freunden da, mit mehreren macht es am meisten Spaß. In Melbourne wird man bei der Bestellung eigentlich immer gefragt: „To Share? Das bedeutet, dass die „dishes“ in die Mitte gestellt werden und jeder kann von jedem probieren. Das ist super spannend und man kann viel mehr testen. Und es ist so kommunikativ und fröhlich, eben Australien!

Lyall Hotel in der Murphy Street

Die Sonne senkt sich langsam aber sicher, taucht den Yarra River, der sich mitten durch Melbourne schlängelt, in ein verführerisches Abendlicht. Mein Boutique-Hotel The Lyall Der Weg zurück ins Hotel ist ein wenig beschwerlich, da es ein bisschen weiter weg liegt. Aber mit dem Taxi bringt es einen binnen ca. 10 Minuten nach South Yarra, wo mein verstecktes Hotel-Highlight wartet – das Lyall Hotel in der Murphy Street. Passt doch, unser Hund heißt ja auch „Murphy“. Das Boutique-Hotel liegt nur 50 m entfernt von der quirligen Toorak Road, auch mit kleinen Shops, Cafes und spannenden Restaurants. Aber davon erzähle ich ein anderes Mal. Und auch von den Laneways habe ich ja noch längst nicht alle erkundet... Mein „Zeit für mich-Moment“ ist jetzt gekommen, hier, in der Oase der Ruhe. Geräumige Zimmer, bis zu 70 qm große, sehr gemütlich eingerichtete „Suiten“ mit kleiner Küche und Balkon, einfach großartig. Nach dem Erkunden einiger Laneways ist jetzt „Beene hoch“ angesagt - genau hierfür der perfekte Platz! Und morgens freue ich mich hier auf die „Eggs Benedict“, die ich nur in Australien bestelle, weil hier die Sauce Hollandaise immer selbstgemacht ist.

Adressen:

Zum Shoppen

LADY PETROVA: Shop 3, 237 Flinders Lane, Melbourne 3000, +61-3-9650 6285, ladypetrova.com

Zum Essen

CHUCKLE PARK: Bar and Café: 322 Little Collins Street , +61-3-9650 4494, info@chuckdeli.com.au

THE TRAVELLER CAFÉ: 2/14 Crossley Street, Melbourne Vic 3000, traveller@sevenseeds.com.au

CHIN CHIN 125: Flinders Lane, Melbourne Vic 3000, +61-86632000, chinchinrestaurant.com.au

RED SPICE ROAD: 27 McKillop Street, Melbourne Vic 3000, +61-3-9603 1601, info@redspiceroad.com

Zum Erkunden

Wer sich die „Hidden Secrets“ von Melbourne von Einheimischen zeigen lassen möchte, kein Problem: Fiona Sweetman (fiona@hiddensecretstours.com ) nimmt Reservierungen sehr gern entgegen. Auch telefonisch (+61-418 332 027).

Zum Schlafen

THE LYALL HOTEL: 14 Murphy Street, South Yarra VIC 3141, +61-3-98688222, www.thelyall.com