Rechtssicherheit und Absicherung Wann ist ein Ehevertrag sinnvoll?

Nach dem romantischen Antrag und während der aufregenden Planung der Hochzeit möchten die meisten Paare gar nicht über ihn nachdenken: Den Ehevertrag. Doch in einigen Fällen kann er sehr sinnvoll sein – für beide Seiten.

Ein Paar lässt sich von einem Anwalt bezüglich eines Ehevertrags beraten Wann ist ein Ehevertrag sinnvoll? © kupicoo/iStock

Durch die Ehe automatisch abgesichert?

Ehepartner sind bei der Schließung einer Ehe in Deutschland automatisch gesetzlich abgesichert. Das ist besonders dann sinnvoll, wenn Kinder in der Ehe entstehen, oder bereits vor Eheschließung zu der Familie gehören, und deren Unterhalt auch nach einer Scheidung gesichert sein soll oder, wenn einer der Ehepartner wegen der Erziehung der Kinder seinen Job aufgibt oder im Beruf kürzer tritt. Im Normalfall wird bei einer Scheidung eine Regelung getroffen, mithilfe derer ein gerechter Ausgleich stattfindet.

Wann kann ein Ehevertrag trotzdem nützlich sein?

Keinen Ehevertag zu schließen bedeutet also nicht automatisch, dass einer der Partner nach einer möglichen Scheidung benachteiligt wird. Besonderns häufig wird ein Ehevertrag geschlossen, wenn einer der Eheleute ein sehr viel höheres Einkommen hat als der andere. Denn dann muss der vermögendere Partner nach einer Scheidung nicht so viel seines Vermögens abgeben. Ein Ehevertrag kann in diesem Fall also davor schützen, dass man nur wegen des Geldes heiratet. Aber auch in anderen Fällen sind rechtliche Vereinbarungen mithilfe eines Vertrages sinnvoll: Zum Beispiel, wenn die Ehepartner unterschiedliche Nationalitäten haben. Mithilfe eines Ehevertrages kann dann geregelt werden, nach welchem Recht die Scheidung ablaufen soll.

Keine Kinder – kein Ausgleich nötig

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Partner, die keinen Ehevertrag abgeschlossen haben, leben in einer sogenannten Zugewinngemeinschaft. Die Vermögen der beiden bleiben dabei grundsätzlich getrennt und jeder verwaltet sein Geld selbst. Im Fall einer Scheidung findet allerdings ein Zugewinnausgleich statt. Dabei muss derjenige, der während der Ehe einen höheren Vermögenszugewinn erzielt hat, die Hälfte der Differenz an den Partner abführen. Sollten Sie schon vor Beginn der Ehe wissen, dass Sie keine Kinder haben wollen und beide Ehepartner gleichermaßen weiter ihren Job ausführen, kann es sinnvoll sein, den Zugewinnausgleich mithilfe eines Ehevertrages außer Kraft zu setzen. Das wäre nur fair, da während der Ehe niemand beruflich benachteiligt wird. Sollten Sie wider Erwarten doch Kinder bekommen, könnten Sie die Regelung anpassen lassen. Im Falle einer Scheidung würde die Regelung dann aber eh außer Kraft treten, da die Kinder durch sie nicht benachteiligt werden dürfen.

Selbstständige sollten sich absichern

Sollten Sie eine eigene Firma aufgebaut haben, lohnt es sich in jedem Fall, einen Ehevertrag abzuschließen. Würde nach einer Scheidung der ganz normale Zugewinnausgleich greifen, müsste der Partner mit der Hälfte des Firmenwertes abgefunden werden. In vielen Fällen würde das bedeuten, dass die Firma verkauft werden müsste, um das Geld aufzubringen.
In einem Ehevertrag könnte aber auch vereinbart werden, dass der Zugewinnausgleich erhöht oder verringert wird. Oder es kann festgelegt werden, wie hoch das Anfangsvermögen des Paares ist. All diese Punkte helfen im Falle einer Scheidung, Streitigkeiten zu vermeiden. Abgeschlossen werden muss ein Vertrag übrigens nicht unbedingt vor der Eheschließung, auch während der Ehe und sogar kurz vor der Scheidung ist das möglich. Voraussetzung ist nur, dass sich beide Partner einig sind.

Schulden werden nicht automatisch geteilt

Hat Ihr Partner bereits vor Ihrer Eheschließung Schulden angehäuft, ist es nicht nötig, einen Ehevertrag abzuschließen, um sich den Schuldenberg vom Hals zu halten. Denn auch in diesem Fall gilt die Gütertrennung - die Vermögen der Ehepartner bleiben voneinander getrennt. Sogar ein, während der Ehe aufgenommener, Kredit muss nur von dem Ehegatten abbezahlt werden, auf dessen Namen er läuft. Der Partner ist nur dann an der Begleichung des Kredits beteiligt, wenn er eine Bürgschaft übernommen oder den Darlehensvertrag als Mitschuldner unterzeichnet hat. Auch ein Erbe oder Geschenke werden nicht dem Zugewinn angerechnet. Nur bei Dingen, die ihren Wert während der Ehe gesteigert haben, muss die Wertsteigerung ausgeglichen werden. Das trifft unter Umständen zum Beispiel auf Immobilien zu.

Der Ehevertrag muss in jedem Fall notariell beurkundet werden

Jeder Ehevertrag muss von einem Notar beurkundet werden. Auch die Beratung kann der Notar übernehmen, er kann Sie sogar neutral beraten, wenn Sie ihn darum bitten. Damit steigen die Notarkosten nur unwesentlich und Sie sparen sich womöglich hohe Anwaltskosten. Sollten trotz einer Beratung in einem Ehevertrag Regelungen getroffen worden sein, die stark unausgewogen sind und bei denen ein Partner sehr benachteiligt wird, sind diese unwirksam. Das hat das Bundesverfassungsgericht bestätigt. So kann zum Beispiel eine schwangere Frau ohne eigenes Einkommen nicht einen vollständigen Unterhaltsverzicht gegenüber ihrem Mann erklären.

 
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