Alternative Heilmethoden im Check Ayurveda

Die indische Heilslehre basiert auf einer uralten Weisheit: Wer seine Energiekräfte im Gleichgewicht hält, wird nicht krank.

Ayurveda Ayurveda © Christian Jung-Fotolia

Vierhändige Synchronmassagen, Stirnölgüsse und duftende Tees – hierzulande verbinden die meisten Menschen mit dem indischen Begriff Ayurveda vor allem Wellness und Verwöhnprogramme. „Dabei ist Ayurveda, das ,Wissen über das Leben‘, ein komplettes Heilsystem, und sogar das älteste der Welt“, sagt Jörg Grünwald. Die Wurzeln reichen viele tausend Jahre zurück, und es beeinflusste europäische Heilmethoden wie etwa Kneipp ebenso wie die Traditionelle Chinesische und Tibetische Medizin.

Wie funktioniert es?

Nach dem ayurvedischen Weltbild bestimmen die fünf Ur-Elemente Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde unser gesamtes Dasein und finden sich als Energiekräfte, die sogenannten Doshas, auch im Körper wieder. Raum und Luft bilden zusammen das Vata-Dosha, Wasser und Erde das Kapha-Dosha, Feuer und Wasser das Pitta-Dosha. Jeder Mensch hat von Geburt an ein individuelles Dosha-Muster, von der einen Kraft mehr, von der anderen weniger: Zusammen bestimmen sie Körperform, Charakter und Konstitution. Dosha bedeutet übersetzt „das, was leicht aus dem Gleichgewicht gerät“, woraus sich auch die indische Vorstellung von Krankheit erklärt: Wird das feine Zusammenspiel der Doshas gestört, bekommt der Mensch körperliche oder seelische Probleme.

Der Ayurveda-Arzt bestimmt zunächst den Dosha-Typ des Patienten. Um den Zustand der Energiekräfte zu bestimmen, hört er Herz, Darm- und Atemgeräusche ab, betrachtet Zunge, Gesicht und Augen, Haut und Nägel, fühlt den Puls und untersucht Urin und Stuhl. Die Verdauung spielt in der indischen Gesundheitslehre eine große Rolle; nur wenn die Nahrung optimal verwertet wird, bleiben auch die Doshas im Gleichgewicht. Die innere Reinigung, das heißt abführende Einläufe oder gar herbeigeführtes Erbrechen, ist darum wichtiger Bestandteil traditioneller Ayurveda-Behandlungen. Hinzu kommen Ganzkörpermassagen mit verschiedenen Ölen, Wärmedampfbäder und Mundspülungen mit Öl. Pflanzliche und mineralische Arzneimittel ergänzen die Therapie ebenso wie individuelle Ernährungspläne.

Um die Harmonie der Doshas wiederherzustellen und dauerhaft gesund zu bleiben, braucht es nach indischer Auffassung nicht viel: eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung, Entspannung und Meditation. Wie bei vielen anderen Naturheil- Lehren ist das Ziel eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Ayurveda ist ein komplexes System, das sich dem westlichen Laien nur schwer erschließt. Für die Selbstbehandlung ist es nur bedingt geeignet. Eine gute Einführung bietet „Das große Ayurveda Buch“ von Kerstin Rosenberg (Gräfe und Unzer, 25,90 Euro).

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Autor:
Elke Serwe