Vertrauensärzte

Wenn Brot essen aufs Gemüt schlägt

Bei Fragen zu Magenproblemen hilft Dr. Martin Adler.

Brot essen schlägt aufs Gemüt Wenn Brot essen aufs Gemüt schlägt © LarsZahnerPhotography / Thinkstock

Ich habe eine Patientin, die ich wegen ihres Optimismus und ihrer guten Laune immer ein bisschen beneidet habe. Sie kommt schon viele Jahre in meine Praxis. Selbst bei einer schlimmen Grippe blieb sie fröhlich. Umso erschrockener war ich, als sie vor einiger Zeit schmal, blass und deprimiert vor mir stand. Seit gut einem halben Jahr, erzählte sie mir, fühlte sie sich oft erschöpft und traurig – scheinbar ohne Grund. Ihre Frauenärztin tippte auf eine Hormonstörung. Entsprechende Tests führten aber zu keinem Ergebnis. „Habe ich vielleicht ein Burnout?“, fragte die Patientin ängstlich. „Ich habe im Internet einen Test dazu gefunden. Alle Symptome treffen auf mich zu.“ Ich fragte sie nach weiteren Beschwerden. Und sie berichtete von häufigen Blähungen und Durchfällen. Diese Verdauungsprobleme hatten etwa in der Zeit angefangen, als sie ihre gewohnte Energie verlor.

Burnout oder die Hormone?

Nun kann man die Redewendung „Das schlägt mir auf den Magen“ auch umkehren. Sprich: Wenn im Verdauungssystem etwas nicht stimmt, kann das Auswirkungen auf die Seele haben. Die Blutanalyse bestätigte meinen Verdacht: Die Patientin fühlte sich so erschöpft, weil sie eine Nahrungsmittel-Unverträglichkeit hatte. Sie litt an Zöliakie, vertrug also kein Gluten. Dieses Klebeeiweiß steckt in den meisten Getreideprodukten. Reagiert der Organismus darauf ablehnend, wird der Darm dauergereizt. Es kommt zu Entzündungen, und der Körper kann nicht mehr genügend Nährstoffe aufnehmen. Nach einiger Zeit führt das unter anderem zu Kalium- und Magnesium-Mangel. Die Betroffenen fühlen sich dadurch wie meine Patientin: außerordentlich müde, antriebslos und überfordert. Weil das auch beim sogenannten Burnout-Syndrom der Fall ist, können selbst Ärzte auf die falsche Fährte kommen. Wird die Zöliakie erkannt, ist die Therapie vergleichsweise einfach: Wenn die Patienten auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten, kommt die Verdauung wieder in Ordnung und die Energie zurück. Es gibt inzwischen viele glutenfreie Produkte – zum Beispiel aus Hirse, Lupinen und Mais. Und man bekommt sie sogar im Supermarkt. Meine Patientin findet übrigens Müsli aus  glutenfreiem Amaranth besonders lecker.

Dr. Martin Adler Facharzt u. a. für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren in Siegen: „Die Natur ist einer der besten Ärzte"

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Autor:
Dagmar Metzger