Vertrauensärzte

Muskeln sind echte Fettfresser

Prof. Froböse erklärt die Fettverbrennung durch Muskelaufbau.

Frau Training Muskeln sind echte Fettfresser © Catherine Yeulet/ iStock/ Thinkstock

Als Sport- und Ernährungs-Experte erlebe ich viele Menschen, die eine Odyssee an Abnehm-Versuchen hinter sich haben. Sie haben wochenlang gehungert, aufs Abendessen verzichtet, sich nur von Ananas oder Steaks ernährt und langfristig doch eher zu- als abgenommen. Denn sie haben bei all ihren Diätversuchen das Wichtigste vergessen: ihre Muskeln. Muskelaufbau allein ist nämlich schon ein Fett-weg-Trick. Unsere Muskulatur verbraucht bereits in Ruhe etwa 30-mal mehr Energie als Fettgewebe.

Nur ein Kilogramm zusätzliche Muskelmasse treibt den Stoffwechsel so in die Höhe, dass man rechnerisch bereits durch Nichtstun ein Kilo verlieren würde. Wer seine Muskeln bewegt, also arbeiten lässt, erhält dazu weitere Abnehmhelfer: Myokine, hormonähnliche Botenstoffe. Die Muskeln produzieren sie, wenn sie in Aktion sind. Myokine geben unter anderem den Zellen den Befehl, gespeichertes Fett zur Verbrennung freizugeben, was die Zelle ohne die körpereigenen Überredungskünstler nur ungern tut. Und es kommt noch besser. In den Zellen sitzen kleine Kraftwerke namens Mitochondrien. Je mehr man davon hat, umso schneller läuft der Stoffwechsel und umso mehr Energie wird verbraucht. Vergleicht man das mit einem Auto, entspräche die Mitochondrien-Zahl den PS: je mehr PS, desto höher der Benzinverbrauch.

Aktive Muskeln fördern nicht nur die Aktivität dieser Energiefresser, sondern auch ihre Produktion. Studien zeigen, dass Ausdauertraining die Anzahl der Mini-Kraftwerke besonders effektiv erhöht, weil die Zellen für lang andauernde Leistung mehr Energie bereitstellen müssen. Je öfter man also zum Beispiel mindestens 30 Minuten lang joggt, Rad fährt, walkt oder auch „nur“ stramm spazieren geht, desto schneller verwandelt man trägen Stoffwechsel in einen Turbomotor. Und zwar in einen, der es liebt, rund um die Uhr zu arbeiten und Fett nach und nach zu verbrennen. Am aktivsten arbeiten die Mitochondrien, wenn man beim Ausdauersport nicht aus der Puste kommt. Das kann man sich leicht so merken: Wenn Sie laufen, ohne zu schnaufen, ist Ihr Tempo genau richtig.

Prof. Ingo Froböse Der Leiter des Zentrums für Gesundheit an der Deutschen Sporthochschule Köln ist auch Ernährungs- Experte. Sein neues Buch: „Das Turbo-Stoffwechsel-Prinzip“ (GU, 19,99 Euro)

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