Vertrauensärzte

Tipps gegen Schwindelattacken

Endlich ohne Schwindel: Tipps gegen Schwindelattacken von Prof. Rainald Knecht.

Schwindelig Therapie Tipps gegen Schwindelattacken © Gromovataya/ Thinkstock

Vor einigen Wochen war ich zu Gast in der FÜR SIE-Redaktion, um mir anzuschauen, wie das Heft entsteht. Was mich beeindruckt hat, war die warme, geradezu familiäre Atmosphäre, die dort herrscht. Ein tolles Team, das sich gegenseitig hilft und umeinander kümmert. So hat es mich auch nicht erstaunt, dass mich kurz darauf eine Redakteurin um einen Termin für eine Kollegin bat. Sie machte sich Sorgen, weil es der jungen Frau auf dem Weg zum Verlag so schwindelig geworden war, dass sie fast von ihrem Fahrrad gefallen wäre. Solche Schwindelattacken waren zuvor schon aufgetreten, aus heiterem Himmel und zu unterschiedlichen Tageszeiten. Beim Hausarzt war die Patientin schon gewesen. Der hatte aber nichts feststellen können – Blutbild, Herz und Kreislauf waren top. Schwindelanfälle können zwar Zeichen einer ernsthaften Krankheit sein, etwa einer Gehirnerschütterung oder sogar eines Schlaganfalls. Sie können aber auch eine harmlose Ursache haben. Das Ergebnis unserer Untersuchungen: Sie litt an sogenanntem „Lagerungsschwindel“. Dieser entsteht, wenn sich kleine Kalziumkristalle, die im Gehörgang sitzen, von selbst lösen und auf die Sinnes härchen im Ohr rutschen. Unsere Gleich gewichtsnerven melden dann eine Bewegung ans Gehirn, die gar nicht stattfindet.

Dass einem davon schwindelig werden kann, haben Sie vielleicht schon einmal in einem Karussell erlebt. Der Körper ist in schneller Bewegung, die Augen sehen aber die starre Gondel. Das irritiert das Gleichgewichtszentrum im Kopf, und beim Aussteigen fühlt man sich mehr oder weniger schwindelig. Warum sich die Kristalle beim Lagerungsschwindel von ihrem Platz lösen, wissen wir nicht. Sie an den richtigen Ort zurückzubringen ist aber in den meisten Fällen ganz einfach. Die Therapie heißt „Befreiungsmanöver“. Das sind bestimmte, rasche Drehungen von Kopf und Rumpf. Sie dauern nur wenige Minuten. Und wenn man sie beherrscht, kann man den Lagerungsschwindel sofort stoppen, falls er wieder auftritt. Welche Bewegungsfolge infrage kommt, sollte ein Arzt entscheiden. Je nachdem, wo sich die Kristalle befinden, gibt es nämlich unterschiedliche Übungen. Die FÜR SIE-Redakteurin hatte bis jetzt übrigens keine Beschwerden mehr. Das ist bei vielen Patienten der Fall. Lagerungsschwindel ist keine chronische Krankheit. Er tritt bei den meisten Betroffenen nur ein- bis dreimal im Leben auf.

Prof. Rainald Knecht
Direktor der HNOKlinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf: „Letztlich gilt: Wer heilt, hat recht“.

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