Vertrauensärzte

So bleiben Gesundheits-Tests bezahlbar

Prof. Marion Kiechle erklärt, wie Gesundheits-Tests bezahlbar bleiben.

Gentest So bleiben Gesundheits-Tests bezahlbar © Comstock/ Stockbyte/ Thinkstock

Gut ein Jahr ist es her, dass die Schauspielerin Angelina Jolie mit einer Nachricht an die Öffentlichkeit ging, die viele schockiert hat. Sie berichtete, dass sie sich die Brüste operativ hatte entfernen lassen. Der Grund für diese radikale Maßnahme: Sie hatte ein sehr hohes Risiko, Brustkrebs zu bekommen. Das war durch einen Gentest festgestellt worden. Dieser Test wird auch in unserer Klinik sowie in weiteren 14 Zentren für familiären Brust- und Eierstockkrebs angeboten, wenn eine Patientin solche Krebsfälle in der Familie hat. Viele Betroffene möchten meiner Erfahrung nach wissen, ob sie auch Trägerin der sogenannten „Brustkrebs-Genveränderung“ sind, wenn sie Mutter, Schwester, Großmutter oder Tante durch die Krankheit verloren haben. Bei der Entscheidung, welche Konsequenzen man zieht, falls man diese Genveränderung geerbt hat, beraten wir Ärzte intensiv. Und wir begleiten die Frauen auch, sowohl medizinisch als auch menschlich, wenn sie sich dafür entscheiden, durch eine Operation ihr Risiko zu minimieren.

Die Kosten für die Tests werden in Deutschland von den Krankenkassen übernommen. Was viele nicht wissen: In den USA war es möglich, auf Gene ein Patent anzumelden wie auf ein Handy oder auf einen Rasenmäher. So hatte sich die Firma Myriad die beiden Gen-Varianten patentieren lassen, die mit Brustkrebs in Verbindung stehen. Das Unternehmen konnte so willkürlich die Preise für die entsprechenden Krebstests bestimmen. Zudem hatte sie die Macht über weitere Forschung auf diesem Gebiet, etwa zu Therapiemöglichkeiten auf Basis dieser Gene. Wir verdanken es dem Engagement der US-Biologin Tania Simoncelli, dass diese Marktbeherrschung gebrochen wurde. Sie zog vor Gericht, klagte – und bekam recht. Der Oberste Gerichtshof entschied: Es darf kein Patent auf Gene geben. Was bedeutet dieses Urteil jetzt für uns? Wir werden künftige Gentests, mit denen wir vielleicht eines Tages auch das Risiko anderer Krebserkrankungen einschätzen können, wohl ebenfalls von mehreren Anbietern bekommen können. Und die Preise dafür werden nicht in astronomische Höhen steigen.

Infos zum Gentest bei familiärem Brust- und Eierstockkrebs: www.brca-netzwerk.de/95.html

Prof. Marion Kiechle Direktorin der Frauenklinik der TU München: „Früherkennung ist unsere stärkste Waffe gegen Krebs“

Hier finden Sie unsere Vertrauensärzte in der Übersicht>>

 
Schlagworte:
Autor:
Dagmar Metzger