Vertrauensärzte

Psychosomatischer Hustenreiz

Husten und Räuspern in den unmöglichsten Situation, wie z.B. bei Lesungen, Konzerten oder im Theater, kennen wir alle. Entweder tun´s die anderen, oder wir selbst sind die Störenfriede. Warum irgendwer immer "bellt" und was man dagegen tun kann, erklärt Vertrauensarzt Prof. Rainald Knecht.

Psychisch bedingtes Husten Psychosomatischer Hustenreiz © ispstock2

Konzertgenuss ohne Husten

In unserem Klinikum gibt es alle drei Monate ein Highlight: klassische Konzerte unter dem Motto „Musik – Mensch – Medizin“. Der Eintritt ist frei, und nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Patienten und Gäste sind willkommen. Am 14. Februar wird Vivaldi gegeben. Darauf freue ich mich schon. Als ich kürzlich eine Kollegin fragte, ob sie auch dabei sein wird, gestand sie mir: „Besser nicht. Peinlicherweise muss ich im Theater immer husten. Ich kann’s einfach nicht unterdrücken.“ Das Gegenkonzert aus Räuspern, Krächzen und vollhalsigem Bellen befällt viele ausgerechnet dort, wo es am unangebrachtesten ist – zum Beispiel dann, wenn Konzertgeigen pianissimo streichen.

Der Schriftsteller Heinrich Böll beschrieb es so: „Ich spüre, wie meine Hände nass werden, ein innerer Krampf mich erfasst. Und plötzlich weiß ich, dass alle Bemühungen zwecklos sind, dass ich husten werde.“ Warum haben wir unsere Bronchien ausgerechnet dann nicht im Griff? Ganz einfach: weil Körper und Seele eine Einheit sind.

Es hilft wenn man das Stück kennt

Je mehr wir uns in Gedanken mit dem beschäftigen, was wir gerade nicht tun sollten, desto stärker befällt uns das Bedürfnis, es zu tun. Und je nervöser wir deswegen werden, desto trockener wird die Kehle. Der häufig genannte Trick, den Daumen gegen den Kehlkopf zu pressen, hilft daher nur selten. Wohl aber, die Gedanken möglichst schnell umzulenken, wenn Ihnen die Möglichkeit eines Hustenanfalls in den Sinn kommt. Konzentrieren Sie sich zum Beispiel auf eine kunstvolle Frisur in der Reihe vor Ihnen oder rechnen Sie in Gedanken aus, wie viele Tage es noch bis Ostern sind. Falls das nicht klappt, können Sie versuchen, den Hals mit Bonbons oder einem Schluck aus der heimlich ins Konzert geschmuggelten Wasserflasche zu befeuchten. Im Notfall empfehle ich ein befreiendes Räuspern an einer besonders lauten Stelle – dafür ist es hilfreich, das Stück zu kennen. Je länger Sie Ihr Hustenbedürfnis nämlich unterdrücken, desto stärker wird der Reiz. Wenn es gar nicht anders geht, lässt sich das Geräusch mit einem Taschentuch vorm Mund zumindest dämpfen.

Eine der besten Methoden ist übrigens, kurz vor Beginn des Konzerts in einer unbeobachteten Ecke eine Weile bewusst abzuhusten und sich klarzumachen, dass die Lungen nun mindestens bis zur Konzertpause keine weitere Befreiung brauchen. Wenn Sie allerdings erkältet sein sollten, bleiben Sie tatsächlich lieber zu Hause. Dann nämlich ist das Husten ein wichtiger körperlicher Reflex, um Erreger mit dem Schleim nach draußen zu befördern. Den sollten Sie noch nicht einmal Vivaldi zuliebe unterdrücken.

Prof. Rainald Knecht
Der Direktor der Klinik für HNO-Heilkunde am Uniklinikum Hamburg- Eppendorf ist auch renommierter Spezialist für Plastik/ Ästhetik und Tumorkrankheiten. Sein Credo: „Letztlich gilt: Wer heilt, hat recht“

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