Vertrauensärzte

Powernapping wirkt Wunder

"Xiu-xi" nennen die Chinesen ihren Kurzschlaf in der Mittagspause. Wenn die Konzentration nach dem Mittagessen auf einem Tiefpunkt ist, kein Kaffee mehr hilft, dann heißt es: Kopf auf den Tisch und los geht der Power Nap. Warum auch wir uns davon eine Scheibe abschneiden sollten erklärt unser Vertrauensarzt Dr. Martin Adler.

Power Napping Powernapping wirkt Wunder © contrastwerkstatt

Abschalten in der Mittagspause

Haben Sie schon mal von „Xiu-xi“ gehört? So heißt der Mittagsschlaf in China. Seit 1949 ist in der chinesischen Verfassung verbrieft: „Wer arbeitet, hat ein Recht auf Xiu-xi.“ Nach dem Essen den Kopf einfach auf den Schreibtisch sinken lassen und ein Weilchen wegdösen – in unseren Breiten macht das kaum jemand. Und es steht schon gar nicht in den Arbeitsverträgen. Leider. Denn „Kraftschlummern“ ist nicht nur etwas für Babys und Senioren. Uns allen tut ein Kurzschlaf gut. Dafür gibt’s sogar wissenschaftliche Beweise. Unsere innere Uhr hat nämlich um die Mittagszeit eine natürliche Ruhephase eingebaut, haben Schlafforscher entdeckt. Die tritt unabhängig davon auf, ob wir einen schweren Braten gegessen haben oder nur einen leichten Snack.

Tatsächlich passieren statistisch die meisten Fehler während dieses Mittagstiefs, das meist zwischen 12 und 14 Uhr eintritt. Es ist zudem die Zeit, in der die meisten Verkehrsunfälle registriert werden. Wenn Sie also die Möglichkeit haben, in dieser Zeit ein wenig zu ruhen, sollten Sie es tun. Sie werden merken: Ihre Leistungsfähigkeit ist anschließend deutlich erhöht. Man kann sich besser konzentrieren, reagiert schneller. Und nicht zuletzt haben Sie höchstwahrscheinlich auch bessere Laune. In Südeuropa, wo die „Siesta“ ja auch üblich ist, zeigte eine Studie zudem, dass der regelmäßige Mittagsschlaf – mindestens dreimal in der Woche – langfristig das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung um nahezu 40 Prozent verringern kann.

Was tun, wenn es keinen Ruheraum gibt?

Was aber tun, wenn’s in der Firma keinen Ruheraum gibt, in dem man sich auf einem Sofa ausstrecken kann? Macht nichts, denn in der Horizontalen zu liegen ist gar nicht so wichtig. Ein bequemer Bürostuhl (irgendwo in einer ruhigen Ecke) reicht auch. Sorgen Sie nur dafür, dass Sie eine Weile ungestört sind. Das heißt Computer und Handy ausschalten. Und dann einfach an etwas Schönes denken, dösen, träumen – mit einem Wort: abschalten. Hilfreich ist es, sich in eine Decke zu kuscheln, denn im Mittagstief sinkt die Körpertemperatur etwas ab. Vielleicht müssen Sie das Abschalten ein wenig üben. Leise Musik kann helfen oder auch tiefes, bewusstes Atmen. Und wenn Sie tatsächlich einnicken, keine Angst: Das Kraftschlummern am Tag beeinflusst nicht Ihre Schlafdauer in der Nacht, wenn es nicht länger als eine halbe Stunde dauert.

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Dr. Martin Adler
ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Homöopathie, Umwelt- und Ernährungsmedizin sowie Akupunktur. Er praktiziert in Siegen. An der Universität Münster ist er Lehrbeauftragter und Fachbereichsleiter für Naturheilverfahren. Er ist überzeugt: „Die Natur ist einer der besten Ärzte“.

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