Vertrauensärzte

Die Pille macht schöne Haut

Dass die Pille schöne Haut macht, haben viele von uns in jungen Jahren bemerkt, dass sie aber noch viel mehr kann, z.B. sanft bei Hormonproblemen helfen, ist eine tolle Neuigkeit. Prof. Dr. Marion Kiechle erklärt, warum und inwiefern die Pille heute ein richtiges Multitaltent geworden ist.

Junge Frau mit Pille Die Pille macht schöne Haut © iStockphoto/Thinkstock

Die Pille kann mehr als nur verhüten

Vor ein paar Wochen saß eine Patientin vor mir wie ein Häuflein Elend: Obwohl sie schon Ende zwanzig war, blühte in ihrem Gesicht Akne. Ihre Regel kam unregelmäßig, und ihre Haare wurden immer dünner. Meine Vermutung bestätigte sich nach Bluttests und Ultraschall der Eierstöcke: Ein „Polyzystisches Ovarialsyndrom“, kurz PCO, war die Ursache für ihre Beschwerden. Ihre Eierstöcke produzierten etwas mehr männliche Hormone als bei anderen Frauen. Schätzungsweise fünf Prozent aller Frauen haben diese Hormonstörung. Sie ist oft ganz einfach zu behandeln – durch Einnahme der handelsüblichen „Pille“.

Viele OPs lassen sich vermeiden

Was viele nicht wissen: Antibabypillen sind nicht nur Verhütungsmittel, sondern eignen sich auch zur Therapie verschiedener hormonbedingter Zustände wie beispielsweise einem Zuviel von männlichen Hormonen. Allerdings werden Präparate mit (auch) verhütender Wirkung bei Frauen über 21 Jahren oft nicht von den Krankenkassen erstattet. Selbst wenn – wie für einige Präparate geschehen – eine Zulassungsstudie erfolgt ist, gibt es unter Umständen Schwierigkeiten, sie bezahlt zu bekommen. Bei anderen Zyklusstörungen, bei denen die Pille helfen kann, ist die Lage noch schlechter: So helfen manche Pillen zum Beispiel, das Wachstum sogenannter „funktioneller“ Eierstockzysten zu verhindern.

Auch andere Unterleibsbeschwerden können durch die Pille wirksam gestoppt oder deutlich vermindert werden. So etwa starke Schmerzen – vor allem zur Zeit der Menstruation oder beim Geschlechtsverkehr –, die durch Endometriose entstehen, also Gebärmutterschleimhautinseln außerhalb der Gebärmutterhöhle. Dennoch müssen die Medikamente häufig aus eigener Tasche bezahlt werden.Mit der Pille können also Arbeitsunfähigkeiten und Operationen vermieden werden. Oder anders gesagt: Sie kann Frauen im besten Fall vor Krankenhausaufenthalten und Schmerzen bewahren. Wir Gynäkologen kämpfen jedenfalls dafür, dass Antibabypillen auch als wirksame Therapiemöglichkeit anerkannt und nicht nur als ein Lifestylemedikament betrachtet werden.

Professor Dr. Marion Kiechle
ist Direktorin der Frauenklinik rechts der Isar, Technische Universität München. Deutschlandweit ist sie die erste Frau, die einem Gynäkologie-Lehrstuhl vorsteht. Ihre Überzeugung: „Früherkennung ist unsere stärkste Waffe gegen Krebs“.