Vertrauensärzte

Pflanzenarznei aus dem Supermarkt

Wichtig ist die Kontrolle der Kräuter - Dr. Martin Adler gibt Rat, was Pflanzenarznei aus dem Supermarkt betrifft.

Pflanzen Pflanzenarznei aus dem Supermarkt © Thinkstock

Oft ist die Lösung für ein Gesundheitsproblem ganz einfach. Einer Patientin, die vor einigen Wochen wegen ihrer nächtlichen Wadenkrämpfe zu mir kam, konnte zum Beispiel mit Magnesiumtabletten rasch geholfen werden. Leider übernehmen die gesetzlichen Kassen nicht die Kosten für solche Nahrungsergänzungsmittel. Und so fragte mich die Mutter dreier Kinder beim nächsten Besuch, ob sie ihre Tabletten auch im Supermarkt kaufen könnte. Dort gab es gerade ein Sonderangebot.

Warum ich dabei Bedenken habe?

Bei Magnesium gibt es große Qualitätsunterschiede. So wird das Mineral je nach Zusammensetzung unterschiedlich gut vom Körper aufgenommen. Bei No-Name-Produkten ist oft nicht ersichtlich, was drinsteckt. Welche Magnesium-Sorte infrage kommt, sollte sowieso am besten der Arzt aufgrund seiner Diagnose entscheiden. Grundsätzlich empfehle ich meinen Patienten, ihre Mittel sicherheitshalber in der Apotheke zu kaufen. Ob ein Tee oder ein pflanzliches Präparat bei einer Erkrankung hilft, ist in der Drogerie, im Reformhaus oder Lebensmittelladen nämlich kein Kriterium für die Verkaufserlaubnis.

Beispiel Johanniskraut

Vergleicht man etwa den Wirkstoffgehalt des apothekenpflichtigen Medikaments „Laif 900“ mit einem Discounter-Konkurrenten, stellt man fest, dass nicht nur die Wirkstoffmenge des geprüften Medikaments höher liegt. Die Inhaltsstoffe dieses pflanzlichen Mittels gegen Depressionen sind auch standardisiert. Man bekommt also garantiert immer die gleiche Qualität. Im freien Handel ist für Patienten auch nicht erkenntlich, wie Arznei und andere Produkte mit Pflanzenbestandteilen kontrolliert werden.

Was ist der Unterschied?

In der Apotheke muss jede Charge einer Heilpflanze auf ihre Reinheit, ihren Wirkstoffgehalt und Schadstoffrückstände überprüft werden. Die Kräuter werden durchgehend korrekt gelagert und nach einer gewissen Zeit weggeworfen. Bestimmte, für die Wirkung wichtige Inhaltsstoffe können sich nämlich mit der Zeit zersetzen oder verflüchtigen. Besonders vorsichtig sollten Sie übrigens bei chinesischen Heilkräutern aus dem Internet sein. In einer aktuellen Greenpeace-Studie fanden die Tester in den meisten dieser Kräuter sogar efährliche Giftstoffe.

Dr. Martin Adler

Dr. Martin Adler, Facharzt für Allgemeinmedizin


ist Facharzt für Allgemeinmedizin, Naturheilverfahren, Umwelt- und Ernährungsmedizin sowie Akupunktur. Er praktiziert in Siegen. An der Uni Münster ist er Fachbereichsleiter für Naturheilverfahren. Er sagt: „Die Natur ist einer der besten Ärzte.“

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