Vertrauensärzte

Operieren ohne Narben

Früher trug man große Narben davon, wenn man sich an der Schilddrüse operieren lassen musste. Heute sieht man nach der OP nichts mehr von dem Eingriff. Prof. Dr. Rainald Knecht erklärt das "DaVinci"-Verfahren.

Schilddrüsen Untersuchung Operieren ohne Narben © iStockphoto/Thinkstock

Wir operieren ohne Narben

Manchmal reisen Patienten von weit her an, um sich bei uns operieren zu lassen. Ich erinnere mich gut an eine junge Frau, die deswegen sogar ihre beiden kleinen Töchter und ihren Mann in Ostfriesland zurückgelassen hat. Die Zugreise von der Küste nach Hamburg ist lang und umständlich. Deshalb konnte die Familie sie während ihres Klinik-Aufenthalts nicht besuchen. Sie hat das auf sich genommen für eine Schilddrüsenoperation, die nur in wenigen Krankenhäusern Deutschlands so sanft durchgeführt werden kann – und ohne sichtbare Narben. Dass man ihr heute nach der erfolgreichen OP nicht ansieht, dass sie Schilddrüsenpatientin ist, war ihr wichtig.

Das „DaVinci-Verfahren“

Aus medizinischer Sicht hat unser „DaVinci“-Verfahren aber noch bedeutendere Vorteile: Die Patienten verlieren nicht so viel Blut, haben weniger Schmerzen und erholen sich schneller als bei herkömmlichen OP-Methoden. Außerdem besteht nicht die Gefahr, dass der Chirurg die Stimmbänder verletzt. Wir operieren die Schilddrüse nämlich über die Achselhöhle. Selbst an dieser Stelle ist der Schnitt übrigens gerade mal fünf bis sieben Zentimeter lang, also nur halb so groß wie die sonst übliche Halsnarbe. Von dort werden eine Mini-Kamera und „Operationsarme“ eingeführt, die ich am Computer steuern kann. Wo sich die feinen Geräte mit ihren extrem beweglichen Gelenken gerade befinden, sehe ich besser als mit dem bloßen Auge. Die Kamera überträgt die Szene nämlich in 3-D-Optik auf den Monitor. Ich kann das Bild stufenlos vergrößern und so kleinste Nerven oder Gewebestrukturen erkennen. So präzise, dass ich wirklich nur dort schneide, wo es nötig ist.

Die Behandlung mit dem „DaVinci“- System gibt es bei uns erst seit gut einem Jahr, und die Krankenkassen übernehmen auch die Kosten. Warum in Deutschland bisher nur wenige Patienten damit operiert worden sind? Das liegt vor allem daran, dass es bei uns bisher nur wenige Kliniken gibt, die sich das 1,3 Millionen Euro teure System angeschafft haben. Zudem kommen nicht alle Patienten für diese Methode infrage – etwa solche mit einer sehr starken Schilddrüsenvergrößerung. Der Name „DaVinci“ ist übrigens tatsächlich eine Hommage an den Renaissance-Maler. Leonardo da Vinci war der Erste, der die Schilddrüse anatomisch richtig gezeichnet hat. Schon damals war bekannt, dass ein Kropf das sichtbare Zeichen einer vergrößerten Schilddrüse ist und dass eine Unterversorgung mit Jod ihn auslösen kann.

Prof. Dr. Rainald Knecht
Der Direktor der Klinik für HNO-Heilkunde am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist auch renommierter Spezialist für Plastik/Ästhetik sowie Tumorkrankheiten. Sein Wahlspruch: „Letztlich gilt: Wer heilt, hat recht“

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