Vertrauensärzte

Notfallverhütung für Frauen

Professor Marion Kiechle gibt hilfreiche Tipps zum Thema "Notfallverhütung".

Die Pille danach Notfallverhütung für Frauen © iStock/Thinkstock

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Fall der jungen Frau, die nach einer Vergewaltigung in einer Kölner Klinik um die „Pille danach“ bat, weil sie befürchtete, durch das Verbrechen schwanger zu werden. Das katholische Krankenhaus verweigerte ihr das Medikament. Die Begründung: Man wolle nicht zum Schwangerschaftsabbruch beitragen. Die Hoffnung von uns Frauenärzten, dass sich durch die anschließenden hitzigen Diskussionen diese Haltung zur „Pille danach“ ändern würde, hat sich leider nicht erfüllt. Noch immer gibt es Ärzte und Kliniken, die es ablehnen, sie zu verschreiben - und zwar aus moralischen Gründen. Über Moral kann man nicht streiten. Aber über Medizin. Denn was viele nicht wissen: Die „Pille danach“ kann gar keinen Schwangerschaftsabbruch auslösen. Beide Wirkstoffe, die derzeit in Deutschland zugelassen sind, sowohl Levonorgestrel als auch Ulipristalacetat, sind Verhütungsmittel. Tatsächlich verhindern oder verzögern sie nur den Eisprung. Warum man sie dennoch als Notfallmedikament nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr einnehmen kann? Spermien können bei optimalen Bedingungen drei bis fünf Tage lang im Körper der Frau überleben.

In der Zeit kann eine Befruchtung stattfinden, falls es zum Eisprung kommt. Wenn dieser durch die „Pille danach“ blockiert wird, führt das also lediglich dazu, dass die Eizelle nicht auf die „wartenden“ Spermien trifft. Um es noch einmal zu verdeutlichen: Bei diesem Vorgang handelt es sich nicht um das Unterbrechen einer Schwangerschaft, sondern um das Verhindern einer Befruchtung. Genau das tut beispielsweise auch ein Kondom. Sollte die „Pille danach“ aus der Verschreibungspflicht herausgenommen werden, wie es einige Pharmazeuten fordern? Nein, finden wir Frauenärzte. Denn es handelt sich nicht um ein risikofreies Lifestyle-Präparat. Wenn die Frau zum Beispiel gleichzeitig Antibiotika nimmt, kann das die Wirkung erheblich beeinträchtigen. Eine ärztliche Beratung ist daher durchaus sinnvoll und notwendig. Wir setzen vielmehr weiter auf Aufklärung und kämpfen dafür, dass es möglichst bald keine Vorbehalte mehr gibt gegen die „Pille danach“. Denn jede Frau, die sie benötigt, sollte diese Medikamente ohne Hindernisse verschrieben bekommen.

Prof. Marion Kiechle

Die Direktorin der Frauenklinik rechts der Isar an der Technischen Universität München ist in Deutschland die erste Frau, die einem Gynäkologie-Lehrstuhl vorsteht. Sie ist überzeugt: „Früherkennung ist unsere stärkste Waffe gegen Krebs“

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