Vertrauensärzte

Leben retten mit „Staying Alive“

Oftmals kennt man Reanimationsgeräte nur aus Krankenhausserien. Prof. Jürgen Schäfer klärt über richtige Verhaltensweisen auf.

Erste Hilfe Leben retten mit „Staying Alive“ © iStock/Thinkstock

Erste Hilfe rettet Leben

Falls Sie, wie ich, Fan von Medizin-Serien im Fernsehen sind, kennen Sie sicher diese rechteckigen Paddles, die Patienten bei einem Herzstillstand hektisch auf die Brust gesetzt werden. Dann wird Strom durch die Paddles gejagt, und es macht „Zosch“. Nach einigen Wiederholungen schlägt das Herz wieder. „Gut, dass der Patient schon in der Klinik war“, denkt man sich da. „Wäre er auf der Straße zusammengeklappt, hätte es wohl kein Happy End gegeben.“ Tatsächlich sind unsere Chancen, bei einem Kreislaufstillstand Hilfe zu bekommen, nicht sehr hoch, falls nicht gerade Menschen mit medizinischen Kenntnissen in der Nähe sind. Natürlich laufen auch Ärzte und Krankenschwestern normalerweise nicht mit Reanimationsgeräten in der Tasche durch die Stadt. Aber sie wissen, was zu tun ist. Im Gegensatz zu den meisten Laien, die darüber hinaus auch oft Angst haben, etwas falsch zu machen. Dabei ist die wichtigste Maßnahme eine einfache Herzdruckmassage, die jeder ohne viel Übung kann.

Doch wie macht man es richtig?

Auch wir Ärzte machen es im Notfall so: Wenn jemand bewusstlos zusammenbricht, sofort checken, ob ein Kreislaufstillstand vorliegt. Ich spreche die Person laut an und rüttele sie an den Schultern. Reagiert die Person nicht, bitte ich einen Passanten, sofort die 112 anzurufen. Dann wird der oder die Bewusstlose auf den Rücken gedreht, und man fahndet nach Atemgeräuschen oder -bewegungen. Atmet die Person nicht mehr, kniet man sich dicht neben sie, etwa auf Brusthöhe, und dann geht’s los: Einen Handballen auf die Mitte des Brustbeins legen – das ist der dicke Knochen in der Mitte des Brustkorbs. Den anderen Handballen darauf. Ellenbogen durchdrücken und sich aufrichten, sodass sich die Schultern senkrecht über den Händen befinden. Nun beherzt das Brustbein etwa fünf bis sechs Zentimeter nach unten drücken, ungefähr 100-mal pro Minute, bis der Notarzt kommt. Eindrücken und Loslassen sollten im gleichen Tempo erfolgen. Für den Takt verrate ich Ihnen meinen Spezial-Trick: Wenn man den Refrain des Liedes „Staying Alive“ von den Bee Gees als Taktgeber nimmt, macht man’s richtig. Der Song hat nämlich 103 Schläge pro Minute.

Prof. Jürgen Schäfer
Der akademische Direktor der Uni-Klinik Marburg wurde als „Arzt des Jahres 2013“ ausgezeichnet. Zu seinen zahlreichen Fachbereichen gehören unter anderem Kardiologie, Innere und Intensivmedizin. Sein Arbeitsmotto lautet: „Medizin muss fachübergreifende Teamarbeit sein“

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