Vertrauensärzte

Jede zweite Frau braucht keine Chemotherapie

So dramatisch die Diagnose „Brustkrebs“ für die betroffenen Frauen auch ist – zum Glück ist sie heute kein Todesurteil mehr

Chemotherapie Jede zweite Frau braucht keine Chemotherapie © AndreyPopov/ iStock/ Thinkstock

Früh erkannt, kann diese Krebsform gut behandelt werden. Und das in vielen Fällen sogar deutlich schonender als früher. Wir wissen heute: Eine Chemotherapie ist bei schätzungsweise 60 Prozent der Patientinnen gar nicht nötig. Ob diese leidvolle und kräftezehrende Prozedur etwas bringt, entscheiden wir an unserem Klinikum mit einem sogenannten Gensignaturtest, dem „EndoPredict-Test“. Damit wird nach einer Operation das entnommene Gewebe – zusätzlich zur herkömmlichen Analyse unter dem Mikroskop – mit gentechnologischen Methoden untersucht. Das Ergebnis lässt Rückschlüsse zu, ob die Patientin ein hohes Risiko hat, dass der Krebs sich im Körper ausbreitet. Oder anders gesagt: Wir können damit abschätzen, wie groß die Gefahr ist, dass sich Metastasen bilden werden. Ein niedriges Risiko heißt, dass die Wahrscheinlichkeit einer Metastasierung innerhalb von zehn Jahren unter zehn Prozent liegt.

Bei diesen Patientinnen kann aufgrund dieser sehr guten Prognose auf eine Chemotherapie komplett verzichtet werden. Patientinnen, für die der Test ein niedriges Risiko ermittelt, behandeln wir mit einer antihormonellen Therapie. Dadurch wird die Wirkung des weiblichen Sexualhormons Östrogen unterdrückt. Wenn wir den hormonabhängigen Krebszellen das Östrogen entziehen, können sie kaum noch wachsen. Wir setzen diesen Test nun schon seit zwei Jahren routinemäßig bei allen Patientinnen ein, die wir mit einem sogenannten „hormonsensiblen Brustkrebs“ operieren. Von den vielen verschiedenen Brustkrebsformen ist dies die häufigste. Das Testergebnis liegt innerhalb von 24 Stunden vor. So können wir vielen Patientinnen direkt nach der OP die gute Nachricht überbringen, dass ihnen zumindest die Chemotherapie erspart bleibt.

Prof. Marion Kiechle Die Direktorin der Frauenklinik rechts der Isar an der TU München ist in Deutschland die erste Frau, die einem Gynäkologie-Lehrstuhl vorsteht. Sie ist überzeugt: „Früherkennung ist unsere stärkste Waffe gegen Krebs“.

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