Vertrauensärzte

Hilfe bei rätselhaften Krankheiten

Prof. Jürgen Schäfer stellt außergewöhnliche Krankheiten vor, die nun im neuen "Zentrum für unerkannte Krankheiten" behandelt werden.

Arzt Krankheit Lupe Hilfe bei rätselhaften Krankheiten © dondoc-foto/ iStock/ Thinkstock

Bei einem Ärztekongress erzählte mir eine Kollegin eine kuriose Geschichte: Ein Mann aus Texas wurde völlig betrunken ins örtliche Krankenhaus eingeliefert. 3,7 Promille hatte der 61-Jährige im Blut. Er schwor jedoch, nichts getrunken zu haben. Außerdem berichtete er, dass er öfter „einen Rausch wie aus dem Nichts“ bekäme. Niemand glaubte ihm, bis ein Magenspezialist Monate später entdeckte: Im Darm des Mannes hatte sich ein Hefepilz eingenistet. Und es stellte sich heraus: Dieser Pilz, der sich von Zucker ernährt, stellte als Nebenprodukt Alkohol her – ein ähnlicher Vorgang wie beim Bierbrauen. Nach einer Anti-Pilz-Behandlung war der Texaner von seinem „Eigenbrauerei-Syndrom“ kuriert.

Solche außergewöhnlichen Medizin-Fälle behandeln wir jetzt auch in unserer Klinik – im neuen „Zentrum für unerkannte Krankheiten“. Das Team besteht, neben mir als Kardiologen, aus vier weiteren Fachärzten und einer Assistenzärztin. Gemeinsam werfen wir einen Blick auf alle Untersuchungsergebnisse, die ein Patient mit einer mysteriösen Krankheit mitbringt. Dann setzen wir uns zusammen, überlegen, diskutieren und kommen oft auf eine neue Fährte. Natürlich hilft uns dabei auch die EDV. Früher musste ich mich bei einer unklaren Diagnose stundenlang durch dicke Bücher wühlen und auf „Doktor Zufall“ hoffen. Heute bekomme ich über die Datenbank-Recherche oft schon nach 30 Minuten zahlreiche Hinweise. Wie etwa bei dem sehr dünnen, jungen Mann, der jahrelang als Magersucht-Patient galt. Wir bemerkten bei ihm neben einer verkrümmten Wirbelsäule auffällige Muttermale an der Hand sowie eine Art Schwimmhaut zwischen den Fingern. Mit Hilfe der medizinischen Suchmaschine entdeckten wir, dass der Mann an dem Friedman-Goodman-Syndrom litt – einer Muskel-Skelett-Erkrankung, die weltweit zu den seltensten Krankheiten gehört. Bis zu 80 Patienten können wir pro Monat in unserem Zentrum helfen. Und wenn Sie uns einmal brauchen sollten, rufen Sie uns einfach an. Die Telefonnummer lautet 0 64 21/5 86 43 57.

Pro. Jürgen Schäfer, Akademischer Direktor der Uni-Klinik Marburg. Seine Fachgebiete: u. a. Kardiologie, Innere Medizin. Er sagt: „Medizin muss heute fachübergreifende Teamarbeit sein“

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Autor:
Kathrin Halfwassen