Vertrauensärzte

Hilfe gegen Muskelkater

Soll man sich nun besser vor oder nach dem Sport dehnen? Und sollte man mit Muskelkater weiter sporten oder lieber einen Tag pausieren? Überall findet man nützliche und weniger nützliche Tipps zum Thema Muskelkater. Prof. Ingo Froböse verrät was wirklich gegen die fiesen Schmerzen hilft.

Schnelle Hilfe für Muskelkater Hilfe gegen Muskelkater © drubig-photo

Muskelkater? Ein Spaziergang hilft

Schwimmen, Turnen, Laufen, Mannschaftssport – wer an unserer Hochschule in Köln studieren will, muss superfit sein, um allein schon die Aufnahmeprüfung zu bestehen. Und wer angenommen wird, trainiert selbstverständlich weiter. Vor Muskelkater schützt das allerdings nicht. Die Studentin, die mir kürzlich auf dem Campus entgegenhumpelte, hatte tags zuvor nach Jahren zum ersten Mal wieder Tennis gespielt – und das gleich zwei Stunden lang. Für ihre Beine waren das ungewohnte Bewegungen. Zusätzlich kam es durch das abrupte Bremsen nach dem Spurt zum Ball zu Rissen in den kleinsten Muskelfasern. Sie litt also unter den gleichen Muskelproblemen wie jeder, der es bei einer neuen oder lange nicht ausgeübten Sportart übertreibt.

Dehnen verhindert den Kater nicht

Es ist ein Mythos, dass man durch intensives Dehnen vor dem Sport vorbeugen könnte. Dieses „Aufwärmen“ verbessert zwar die Durchblutung der Muskeln und senkt das Verletzungsrisiko. Einen Muskelkater kann man aber nur verhindern, wenn man’s langsam angehen lässt und sein Trainingspensum schrittweise steigert.

Was aber tun, wenn der böse Kater da ist? Ganz wichtig: in Bewegung bleiben, auch wenn’s wehtut. Das machte diese Studentin also ganz richtig. Dabei natürlich nicht verausgaben: Spazierengehen zum Beispiel ist ideal- Schwimmen oder Radfahren auch. Dabei werden die Muskeln gut durchblutet, und das fördert den Heilungsprozess. Auch ein warmes Bad kann den Kater lindern. Nehmen Sie aber bitte keine Schmerzmittel. Damit verängert man den Erholungsprozess nur.

Unter meinen Studenten kursiert der Tipp, gegen den Schmerz zwei Tassen Kaffee zu trinken. Laut einer US-Studie dämpft das Koffein das Schmerzempfinden. Nach meiner Erfahrung hilft’s nicht jedem, aber probieren Sie’s ruhig aus. Übrigens: Nach drei bis fünf Tagen sollte ein Muskelkater weitgehend abgeklungen sein. Wenn es weiter wehtut, bitte zum Arzt gehen. Denn dann könnte es sein, dass Sie sich eine Zerrung oder einen Muskelfaserriss zugezogen haben.

Professor Ingo Froböse
Der Leiter des Zentrums für Gesundheit der DSHS Köln ist Sportwissenschaftler und Autor. Lesenswert: sein „Rücken- Akut-Training“ (GU, 19,99 Euro). Er sagt: „Wer keine Zeit für Bewegung hat, hat irgendwann viel Zeit für Krankheiten“.

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