Vertrauensärzte

Große Kopfhörer sind gut für die Ohren

Die großen Kopfhörer, genannt "Over-Ears" sind gesünder als die kleine Variante mit dem Namen "In-Ears". Das freut uns, denn dank der großen Kopfhörer schallt in der U-Bahn nichts nach außen und modisch sind sie auch noch. Diese und weitere Vorzüge erklärt Professor Rainald Knecht.

Große Kopfhörer sind gut für die Ohren ©

Warum ich große Kopfhörer mag

Wenn Sie häufig mit der Bahn oder in der U-Bahn unterwegs sind, ist es Ihnen bestimmt auch schon aufgefallen: Die Kopfhörermode orientiert sich wieder an den 70ern. War es vor ein paar Jahren noch Trend, sich Musik durch erbsengroße Lautsprecher direkt in den Gehörgang zu beamen, tragen Jugendliche heute auffällige bunte „Over-Ear“-Modelle. Ob man diese „Muschelkopfhörer“ nun schön findet oder nicht – aus medizinischer Sicht sind diese Accessoires mit Namen wie „Skullcandy“ oder „Beats by Dr. Dre“ ein Segen.

Warum, das zeigte eine Studie meines chilenischen Kollegen Dr. Hayo Breinbauer von der Universität in Santiago de Chile. Er hat getestet, wie laut man seine Musik mit verschiedenen Kopfhörertypen ohne Klangverzerrung maximal aufdrehen kann. Dazu verglich er „In-Ears“, die man komplett ins Ohr steckt, „Ear-buds“, die als winzige Knöpfe vor dem Gehörgang platziert werden, und die trendigen großen Kopfhörer. Der höchste Schalldruckpegel war mit einem In-Ohr-Modell möglich: 126,5 Dezibel. Damit würde man die gerade noch tolerierbare tägliche Lärmdosis bereits nach weniger als drei Minuten erreichen. Beim „Earbud“ waren es ungefähr fünf Minuten bis zur kritischen Grenze, ab der Hörschäden auftreten können. Mit einem großen „Over-Ear“ könnte man theoretisch immerhin eine Stunde lang bei vollem Sound gefahrlos Musik hören.

Die Over-Ears sorgen für ein gesundes Gehör

Als Nächstes untersuchte Dr. Breinbauer, wie Umgebungslärm unser Hörverhalten beeinflusst. War es so laut wie in einer Straßenbahn, drehten die Versuchspersonen mit Muschelkopf- hörern ihre Lieblingssongs im Schnitt 15 Dezibel niedriger auf als die Gruppe mit den Mini-Lautsprechern. Die „Over- Ears“ schirmen nämlich besser ab.Falls Sie also Kinder, Enkel oder Freunde haben, die sich einen Riesen-Kopfhörer wünschen, erfüllen Sie diesen Wunsch doch bitte. Für den guten Rat „Dreh die Musik nicht so laut auf“ sind viele nämlich taub. Laut Statistik ist bereits jetzt schon jeder vierte Jugendliche schwerhörig. Und tatsächlich habe ich einigen Teenies schon ein Hörgerät verschreiben müssen. Die „Over-Ears“ können dazu beitragen, dass mehr musikbegeisterte Kinder mit gesundem Gehör erwachsen werden.


Professor Rainald Knecht
Der Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde am Uni-Klinikum Hamburg- Eppendorf ist auch renommierter Spezialist für Plastik/ Ästhetik und Tumorkrankheiten. Sein Motto: „Letztlich gilt: Wer heilt, hat recht“. Hier finden Sie unsere Vertrauensärzte in der Übersicht>>