Vertrauensärzte

Gähnen für die Augen

Immer früher benötigen unsere Augen eine Pause und eine Brille. Dr. Adler erklärt das Problem.

Frau gähnen Gähnen für die Augen © Alina Bobrowska/ Thinkstock

Eine Patientin, die ich schon seit Jahren kenne, wirkte bei ihrem letzten Besuch in meiner Praxis ungewöhnlich bedrückt. Auf Nachfrage erzählte sie mir, dass sie nun „wohl in die Jahre“ komme, denn ihre Augen seien so schlecht geworden. „Meine Eltern haben erst mit über 50 eine Lesebrille gebraucht“, seufzte sie. „Ich kann schon jetzt, zehn Jahre früher, ohne das Ding keine normale Speisekarte mehr lesen.“ Grund ihres Problems ist die Nebenwirkung unserer modernen Arbeitswelt. Als Sekretärin muss sie stundenlang vor dem Computer sitzen. Wie bei jedem zweiten Bildschirmarbeiter führt das auch bei ihr zu müden und geschwächten Augen. Für diese Beschwerden haben wir Mediziner sogar schon einen Namen: das Computer-Vision-Syndrom.

Woher es kommt? Am Bildschirm reduzieren sich die unbewussten Augenbewegungen. Man starrt, statt zu schauen. Weil man weniger blinzelt, werden die Augen seltener mit Tränenflüssigkeit benetzt. Die Folge: Sie jucken, werden rot und empfindlich. Und den Augenmuskeln fehlt das Training, sie erschlaffen.

Was kann man dagegen tun? Ganz wichtig sind Sehpausen. Schauen Sie öfter mal aus dem Fenster. Mehrere kurze Unterbrechungen sind besser als eine lange. Und mehrmals am Tag die Augen schließen und die Augäpfel kreisen lassen – zehnmal in jede Richtung. Dann die Augen nach oben, unten, rechts und links bewegen. Interessanterweise entspannt auch absichtliches, genussvolles Gähnen die Muskulatur um die Augen.

Ein sehr gutes Training ist zudem das Palmieren: Legen Sie Ihre gewölbten Handflächen vor die Augen, sodass Sie diese noch öffnen können. Stellen Sie sich nun zwei bis drei Minuten lang ein entspannendes Bild in weiter Ferne scharf vor, zum Beispiel einen Sonnenaufgang am Meer. Führen Sie dann die Hände langsam von den Augen weg und versuchen Sie, Gegenstände links und rechts von Ihrem Gesichtsfeld wahrzunehmen, ohne den Kopf zu drehen. Sie werden mit diesen Übungen Ihre Augen fitter machen und dem Computer-Vision-Syndrom entgegensteuern können. Eine angeborene Fehlsichtigkeit lässt sich durch Augen-Jogging leider nicht reduzieren. Diese Kurzoder Weitsichtigkeit wird dadurch verursacht, dass Ihr Augapfel entweder zu kurz oder zu lang ist. Das lässt sich ebenso wenig wegüben, wie man seine Körpergröße von 1,80 auf 1,75 Meter heruntertrainieren kann.

Dr. Martin Adler ist Facharzt u. a. für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren in Siegen. Er sagt: „Die Natur ist einer der besten Ärzte“

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