Forschung Wem chinesische Medizin wirklich hilft

Wissenschaftliche Studien bestätigen die praktische Erfahrung: Die kleinen Stiche helfen bei vielen Erkrankungen

Wem chinesische Medizin wirklich hilft Wem chinesische Medizin wirklich hilft © Yuri Arcurs -Fotolia

Fernöstlicher Hokuspokus? Diesen Ruf hat die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) schon lange nicht mehr. Das gilt vor allem für die hierzulande populärste TCMDisziplin, die Akupunktur. Rund 50 000 Ärzte und Heilpraktiker bieten die alternative Heilmethode in ihren Praxen an. Die Mehrzahl der Schmerzkliniken hat Akupunktur in ihr Therapiespektrum integriert. Auch auf den Geburtsstationen hat die Nadelmethode ihren Platz gefunden. Sie lindert Wehen und erleichtert die Geburt. Inzwischen gibt es in Essen und Berlin sogar Uni-Lehrstühle für Komplementärmedizin, wo Wissenschaftler die Wirksamkeit alternativer Verfahren wie der TCM oder Homöopathie überprüfen. Was Bestand hat, wird in die Standardbehandlung integriert. So entstehen effektive Therapien mit wenig Nebenwirkungen. Die klare Trennung zwischen Alternativ- und Schulmedizin wird aufgehoben. 1,5 Millionen Patienten lassen sich jährlich mit den feinen Nadeln behandeln, zumeist wegen chronischer Rückenbeschwerden, Kopfschmerzen und Atemwegserkrankungen. In einer Langzeit-Studie der Universität Freiburg gaben fast 85 Prozent der Akupunkturpatienten an, dass sich ihre Beschwerden nach der Therapie verbessert haben. Sie waren auch in besserer psychischer Verfassung, hatten mehr soziale Kontakte und fühlten sich insgesamt vitaler und gesünder. Im Durchschnitt waren die Patienten bereits sieben Jahre krank, als sie mit der Akupunkturbehandlung begannen. Bei allen Erfolgen – der Wirkmechanismus der Nadeln bleibt nach wie vor ein Rätsel. „Man weiß noch nicht genau, wie Akupunktur funktioniert“, sagt die Berliner Komplementärmedizin-Professorin Claudia Witt. „Aber es gibt erste Hinweise bei der Behandlung von Schmerzen: dass sowohl lokal, also dort, wo die Nadel eingestochen wird, als auch zentral, also im Gehirn, schmerzhemmende Mechanismen einsetzen. Andere Wirkungen, etwa bei allergischem Schnupfen, lassen sich noch nicht erklären.“

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