Alternativemedizin Vorteile von Heilpraktikern

Akupunktur, Homöopathie, Craniosacral-Therapie: Methoden, die Schulmediziner nicht oder selten anbieten, werden immer beliebter. Drei Frauen erzählen, warum sie darauf setzen.

Akupunktur Vorteile von Heilpraktikern © Thinkstock

Der Rücken ist ihre Schwachstelle: „Mir springt regelmäßig ein Wirbel raus“, erzählt Susanne Peplinski, 44. Ein chronisches Leiden, seit 15 Jahren. „Früher hat ihn der Arzt immer wieder eingerenkt. Danach musste ich jedes Mal zwei Wochen mit Halskrause herumlaufen.“ Beim letzten Mal ging die Hausfrau aus Rellingen zur Heilpraktikerin, die die Craniosacral-Therapie vorschlug: „Sie hielt nur sanft meinen Kopf und die Beine, was mich skeptisch machte. Aber nach zwei bis drei Tagen ging es mir tatsächlich besser.“

Deutsche setzen auf Heilpraktiker

Immer mehr Deutsche wenden sich an Heilpraktiker: Neun Milliarden Euro geben Patienten inzwischen jedes Jahr für alternative Medizin aus – und mehr als die Hälfte davon bezahlen sie selbst. Erheblich zu diesem Trend beigetragen hat die gewandelte Einstellung der klassischen Medizin: Autogenes Training gegen Stress, Akupunktur gegen Schmerz oder Homöopathie in der Kinderheilkunde – längst werden viele alternative Therapien auch von Ärzten (und Krankenkassen) anerkannt und angewandt. So gibt es an der Berliner Charité inzwischen eine Professur für alternative Medizin, an der Uni-Klinik Hamburg den ersten deutschen Lehrstuhl für Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und an den Kliniken Essen-Mitte den Fachbereich Naturheilkunde und Integrative Medizin, die konventionelle und alternative Therapien vereint.

Aktuelle Studie

Eine aktuelle Studie der Barmer GEK zeigt, dass einem Arzt pro Patient durchschnittlich acht Minuten bleiben. Dagegen führt jeder der 15 000 deutschen Heilpraktiker im Schnitt pro Tag nur vier Behandlungen durch – und kann sich damit deutlich mehr Zeit für seine Patienten nehmen. Das ist der Hauptgrund für Sandra Püttjer, 35, alternative Therapien zu bevorzugen. Die Barmstedterin arbeitet als Sachbearbeiterin bei einer privaten Krankenversicherung. „Ich weiß, dass Ärzte unter Zeit- und Kostendruck stehen und eine ganzheitliche Behandlung kaum gewähren können. Aber genau die wünsche ich mir.“ Ihre Heilpraktikerin könne sie immer anrufen: „Im Notfall abends und am Wochenende.“

Geduld wird belohnt

Gut zu wissen
  • Wer darf sich „Heilpraktiker“ nennen? Alle, die diese Berufsbezeichnung führen, brauchen eine medizinische Grundbildung, die bundesweit jedoch nicht einheitlich geregelt ist, und müssen eine amtsärztliche Prüfung abgelegt haben. Gesetze regeln, was Heilpraktiker behandeln dürfen.
  • Ist „Therapeut“ ein geschützter Begriff? Nein, lediglich mit bestimmten Zusätzen wie bei „Physio-“ oder „Ergotherapeuten“. Sie dür fen keine Krankheiten behandeln, sondern nur zum „Wohlfühlen“ beitragen.
  • Welche Bücher helfen weiter? „Die Andere Medizin“: Alternative Methoden werden ausführlich bewertet und beschrieben. Von Stiftung Warentest, 34 Euro. „Alternativ heilen“ von Christof Jänicke, Dr. Jörg Grünwald: 735 Seiten umfassender Ratgeber, Gräfe und Unzer, 39,90 Euro.
Sandra Püttjer ist seit einem Jahr Patientin der Hamburger Heilpraktikerin Alexandra Onken-Kinkele, bekommt Schröpfmassagen gegen ihr Rückenleiden, Eigenbluttherapien gegen ihre Infektanfälligkeit und homöopathische Mittel gegen Gewichtsprobleme. Etwa 600 Euro pro Jahr bezahlt sie dafür aus eigener Tasche. Auch als sie einen Hörsturz erlitt, wandte sie sich nicht nur an den HNO-Spezialisten, sondern parallel an ihre Heilpraktikerin. „Ich vertraue ihr, weil ich mit ihr alles in einer persönliche Atmosphäre besprechen kann. Bei ihr fühle ich mich wohl und ernst genommen.“

Erfolgreiche alternative Therapien

Bei chronischen Erkrankungen, Infektanfälligkeit, Rückenproblemen oder Migräne sind alternative Therapien besonders erfolgreich. Alexandra Onken-Kinkele betont jedoch, dass Patienten Geduld mitbringen müssen: „Die Behandlungen haben zum Ziel, die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Das dauert seine Zeit.“ Im bedrohlichen Krankheitsfall, da sind sie und ihre Kollegen sich einig, sollte der erste Weg aber zum Schulmediziner führen. Constanze Vogl, 34, Übersetzerin in Hamburg, Mutter von Jonah, 10, und Marie, 8, sind vor allem Antibiotika suspekt. Jedes zweite Kind zwischen zwei und vier Jahren bekommt sie mittlerweile mindestens einmal pro Jahr. Zu viel, findet auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und warnt vor resistenten Erregern, die sich in der Folge entwickeln. „Natürlich ist es wichtig, bei ernsten Symptomen nicht zu spät zum Arzt zu gehen“, sagt sie. „Aber grundsätzlich versuche ich es zuerst einmal mit alternativen, sanften Methoden.“

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