Gesundheit Zähneknirschen

Nicht immer ist der Schlaf Entspannung pur. Die Muskeln im Kiefer sind bei Stress auch nachts aktiv – und setzen das Gebiss unter Druck. Doch es gibt Techniken, wieder lockerzulassen.

Frau mit Kiefernschmerzen Zähneknirschen © iStockphoto

Tief und fest scheint der Schlaf. Nur die Kaumuskeln arbeiten auf Hochtouren: Mit enormem Druck presst sich Kiefer auf Kiefer, schiebt sich Zahn gegen Zahn. Ein Phänomen, das beinahe jedem dritten Erwachsenen zu schaffen macht. Oft tritt es nur phasenweise auf, etwa vor einer Prüfung oder nach einem Streit mit dem Partner. Weil sich die Knirschwut vor allem nachts entlädt, bleibt die schädliche Angewohnheit oftmals lange Zeit unbemerkt – bis der nächste Routinetermin beim Zahnarzt Klarheit bringt: „Der erkennt häufig mit einem Blick, was sich nachts im Mund abspielt“, sagt der Hamburger Spezialist Dr. Oliver Ahlers. Die verräterischen Zeichen: Das Zähneknirschen schmirgelt die Kauflächen glatt und schleift den Zahnschmelz ab. Mit schmerzhaften Folgen: Denn wenn das Zahnbein freiliegt, setzen Kälte, Wärme, Saures oder Kaltes dem Nerv direkt zu.

Und nicht nur die Zahnsubstanz leidet: Bei hartnäckigen Knirschern verschleißt der Gelenkknorpel im Kiefergelenk schneller, das Gelenk beginnt womöglich zu schmerzen oder zu knacken. Die Hauptursache für „Bruxis mus“, so das Fachwort für Zähneknirschen, ist psychische Anspannung. Kiefermuskeln sind Stressmuskeln, die sich bei Ängsten, Wut oder verdrängten Aggressionen anspannen. Dabei sind Frauen viermal so oft betroffen wie Männer. Doch nicht immer setzt die Seele den Kiefer derart in Gang.

Fehlt der Schmelz, folgt der Schmerz

Zahnarzt Ahlers: „Eine mögliche Ursache liegt in den Zähnen selbst. Eine zu hohe Füllung, schlecht angepasste Kronen oder Fehlstellungen nach Zahnverlust können das Knirschen fördern.“ Haben die Zähne schon gelitten, ist es erst einmal wichtig, dass sich die Zahnreihen nicht weiter ab schmirgeln. Das verhindert man am schnellsten mit einer individuell angepassten Aufbissschiene.

Das transparente Kunststoffteil wird nachts über die Zahnreihen gestülpt und verhindert so weitere „Reibungsverluste“. Doch man kann noch mehr tun: Mit Yoga, Massagen oder Entspannungsverfahren wie progressiver Muskelrelaxation und autogenem Training wirkt man den nächtlichen Anstrengungen entgegen. Eine spezielle Physiotherapie, die die Kiefermuskulatur lockert, kann die Behandlung unterstützen. In Studien hat sich auch Muskel-Biofeedback bewährt. Bei dieser Methode löst eine kleine Elektrode auf der Gesichtshaut Alarm aus, sobald sich die Kaumuskeln übermäßig anspannen. Das schult die Selbstwahrnehmung und trainiert die Patienten, gezielt lockerzulassen.

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