Hyperaktivität Wissenswertes zum Thema ADHS

Ritalin galt als Wundermittel gegen Hyperaktivität – doch häufig können auch schonendere Therapien helfen. Vorausgesetzt, eine genaue Diagnose wurde erstellt.

Aktives Kind Wissenswertes zum Thema ADHS © Thinkstock

Nur mit Mühe hält es Moritz während des Unterrichts auf dem Stuhl. Er rutscht auf seinem Platz hin und her, wippt und zappelt mit den Beinen. Bastelarbeiten oder Rechenaufgaben bricht er meist nach einer Minute ab. Stattdessen hüpft der Siebenjährige durchs Klassenzimmer… Für Lehrer und Eltern scheint die Sache klar: Der Schüler ist hyperaktiv. Bis zu fünf Prozent aller Jugendlichen und Kinder – vor allem Jungen – erhalten laut dem Robert-Koch-Institut die Diagnose ADHS. Das macht bundesweit etwa eine halbe Million Patienten unter 18 Jahren.

Doch eine neue Studie aus den USA lässt befürchten, dass auffällige Kinder allzu rasch in der ADHS-Schublade landen. Forscher der Michigan State University untersuchten bei 12.000 Erstklässlern, wie sich ihr Altersunterschied darauf auswirkt, als hyperaktiv diagnostiziert zu werden. Denn schließlich seien Kinder, deren Geburtstag kurz vor dem Stichtag der Einschulung liegt, beinahe ein Jahr jünger als ihre ältesten Kameraden aus derselben Klasse – ein Altersunterschied, der sich bei Sechsjährigen im Reifegrad niederschlägt.

Das Resultat der Studie bestätigte den Verdacht: Die jüngsten Schüler besaßen ein um 60 Prozent höheres Risiko, Psychopharmaka zu bekommen. Ihre geringere emotionale und intellektuelle Reife wurde als medizinisches Problem behandelt. „Jüngere Kinder sind selbstverständlich unruhiger als ihre älteren Klassenkameraden“, kritisiert der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut Peter Lehndorfer aus Planegg bei München. „Das darf aber nicht dazu führen, dass sie als krank eingestuft werden.“ Die Diagnose ist aufwendig


Doch wann ist ein Kind tatsächlich ein Zappelphilipp? Offiziell liegt ADHS vor, wenn Symptome wie starke Ablenkbarkeit, Überaktivität oder unberechenbares Sozialverhalten öfter, in schwerer Form und sowohl zu Hause als auch in Kindergarten oder Schule auftreten. „ADHS zu bestimmen ist enorm aufwendig“, so Lehndorfer. Dazu braucht es intensive Gespräche mit den Eltern, Fragebögen für die Lehrer, Verhaltensbeobachtungen sowie eine körperliche und psychodiagnostische Untersuchung. Nur so können Kinderarzt, Psychiater oder Psychotherapeut ausschließen, dass der unkonzentrierte kleine Patient womöglich an Ängsten, Wahrnehmungsschwächen oder einer Schilddrüsenüberfunktion leidet. Oder dass familiäre oder schulische Sorgen hinter dem hibbeligen Verhalten stecken.

 

1 2
Seite 1 : Wissenswertes zum Thema ADHS