Interview Wie gefährlich ist Gehirn-Doping?

Die Ärztin, Psychiaterin und Psychologin Isabella Heuser erforscht, was passiert, wenn Gesunde Medikamente zur Leistungssteigerung nehmen

Wie gefährlich ist Gehirn-Doping? Wie gefährlich ist Gehirn-Doping? © Klaus Eppele-Fotolia

Frau Heuser, in letzter Zeit wird immer wieder über „Gehirn- Doping“, das sogenannte „Neuro-Enhancement“, berichtet. Was genau ist das überhaupt?

Das bedeutet, dass gesunde Menschen ihre Stimmung oder ihre Durchhaltefähigkeit mit Substanzen verbessern, die eigentlich für Kranke gemacht sind. Erst kürzlich wurde eine Studie der Krankenkasse DAK veröffentlicht, die ergab, dass sich drei Prozent der dort Versicherten „dopen“. Aber genaue Zahlen über den Konsum gibt es noch nicht.  

Ich habe vor unserem Interview einen Kaffee getrunken, um fitter und konzentrierter zu sein. Das ist aber noch kein Doping, oder?

Doch, selbstverständlich. Wenn Sie ein oder zwei Kaffee trinken, dazu noch eine Zigarette rauchen, machen Sie sich wacher und steigern die Konzentrationsfähigkeit. Und wenn Sie nach der Arbeit ein Glas Bier oder Wein trinken, um besser relaxen zu können, dann beeinflussen Sie Ihren Geisteszustand erneut.

Dann bin ich mit meinem Kaffeekonsum also schon Teil dieser viel diskutierten „gedopten“ Gesellschaft?

Streng genommen ja. Allerdings sind Koffein, Alkohol und Nikotin allgemein akzeptierte Substanzen für die Leistungsverbesserung. Diskutiert wird derzeit eher die Einnahme von chemischen Substanzen, die nur für Kranke bestimmt sind. Dazu gehören Anti-Depressiva oder Aufputschmittel.  

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Autor:
Christine Dohler