Vertrauensärzte

Gesünder rauchen mit E-Zigaretten?

Prof Rainald Knecht erklärt, ob E-Zigaretten tatsächlich gesünder sind.

Das Rauchen einer E-Zigaretten ist auch gesundheitsgefährden Gesünder rauchen mit E-Zigaretten? © leszekglasne/ iStock/ Thinkstock

"Herr Professor, ich hab’s geschafft – ich qualme nicht mehr!“, berichtete mir kürzlich eine Patientin, die seit Jahren versucht, von der Zigarette wegzukommen. Erfolglos hatte sie schon eine ganze Reihe von Entwöhnungsmethoden ausprobiert, sogar verschreibungspflichtige Anti-Raucher-Pillen. Ich freute mich deshalb sehr über diese schöne Nachricht und wollte natürlich sofort wissen, wie sie ihr großes Ziel erreicht hatte. „Ganz einfach“, sagte sie und kramte ein anthrazitfarbenes Metallröhrchen aus ihrer Tasche, „ich bin auf E-Zigarette umgestiegen.“ Um es mal so auszudrücken: Meine Begeisterung löste sich in Rauch auf. Eine Studie aus Neuseeland zeigte, dass nur 7,3 Prozent der Nikotinabhängigen es damit schaffen, nie mehr zum Glimmstängel zu greifen. Vor allem aber: So harmlos, wie es die Hersteller der „elektronischen High-End-Alternative zur Zigarette“ darstellen, ist deren Qualm leider nicht. Zwar verbrennt die „E-Kippe“ keinen Tabak.

Zug um Zug wird eine nikotinhaltige Flüssigkeit vernebelt, deren Basis Lösungsmittel sind, oft vermischt mit Geschmacksstoffen. Meine Kollegen vom Deutschen Krebsforschungszentrum warnen, dass aus dem häufig zugesetzten Glyzerin krebserregendes Acrolein entstehen kann. Erschrocken war meine Patientin aber speziell darüber, dass auch ihre beiden Kinder durch die E-Zigarette gefährdet werden. Mit dem weißen Dampf gelangen nämlich flüchtige organische Stoffe in die Luft, darunter ebenfalls krebserregende und süchtig machende Substanzen. „Gerade meinen beiden Töchtern zuliebe wollte ich doch von der Zigarette loskommen“, sagte sie. „Was könnte ich denn sonst probieren?“ Ich konnte ihr berichten, dass Antirauchkurse unter Anleitung eines Psychologen Erfolg versprechend sind. Adressen nennen die Kranken kassen, die oft sogar einen Zuschuss geben. Interessant fand sie auch die Möglichkeit, durch Hypnose nikotinfrei zu werden. Diese Methode wirkt bei acht von zehn Rauchern. Die Patientin wollte es parallel auch noch mit Akupunktur versuchen, obwohl sie Hypno- und Nadeltherapie aus eigener Tasche bezahlen muss. Ich gratulierte ihr dazu. Studien zeigen nämlich, dass eine Kombination aus mehreren Methoden am effektivsten ist.

Prof. Rainald Knecht

Direktor der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde des UKE Hamburg. Der Spezialist für Allergie/Immunologie, Plastik/Ästhetik sowie Tumoren sagt: „Letztlich gilt: Wer heilt, hat recht“

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Autor:
Dagmar Metzger