Wenn der Bauch verrückt spielt Das hilft bei einem sensiblen Magen

Unser Bauch ist ein kluger Berater – und reagiert mit Warnsignalen, wenn wir uns zu sehr unter Druck setzen. Wie Sie bei einem sensiblen Magen reagieren, erfahren Sie hier.

sensibler magen Das hilft bei einem sensiblen Magen © iStockphoto

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Echt fies: Es rumort und grummelt vernehmlich in Magen und Darm, während wir in einer wichtigen Besprechung mit dem Chef sitzen. Bei jeder Prüfung, ob Segelschein oder Englisch-Zertifikat, rennen wir ständig zum Klo. Und auf Streit reagiert der Körper mit Sodbrennen. Aufregung, Stress und Kummer können uns im wahrsten Sinne auf Magen oder Darm schlagen. Australische Wissenschaftler haben belegt, dass Verdauungsprobleme in belastenden Lebenssituationen vermehrt auftreten – besonders bei Menschen, die sich selbst stark unter Druck setzen. Die meisten Betroffenen sind nach dem Arztbesuch so schlau wie vorher: Organisch seien sie gesund, dennoch bleiben die Probleme. Der Bauch hat eben seinen eigenen Kopf.

ENTDECKEN SIE IHR BAUCHHIRN

„Das Verdauungssystem wird von rund 100 Millionen Nervenzellen umhüllt“, erklärt die Karlsruher Biologin und Buchautorin Michaela Döll. „Sie sind vom gleichen Typ wie die in unserem Kopf.“ Experten sprechen deshalb vom „Bauchhirn“. Sogar die Hormone, die sich hier bilden, stimmen mit denen des Kopfhirns überein. „Allein die Produktion von Serotonin, einem Botenstoff, der für Wohlbefinden und Schmerzentstehung wichtig ist, findet zum größten Teil im Darm statt.“ Die Signale, die das Bauchhirn empfängt, sendet es zwar an den Kopf. Doch mit dem Willen können wir Magen und Darm trotzdem nicht beeinflussen. So ist es klug, auf den Bauch zu hören, indem wir seine Warnzeichen ergründen, bevor Stress oder Ärger ernsthaft krank machen. Ursachenforschung betreibt man, indem man über einen längeren Zeitraum Tagebuch führt: Wann ist das Bauchgefühl aus der Balance? Schreiben Sie auf, was Sie im Alltag als belastend empfinden – denn dagegen rebelliert häufig das Bauchhirn. Je früher man sich eingesteht, dass Probleme psychischer Natur sind, desto schneller kann die Selbstheilung beginnen.

 

 

SOS-TIPPS BEI MAGENPROBLEMEN
  • Die Sumpfpflanze Kalmus (auch: Magenwurz, Apotheke) wirkt schmerzlindernd. 2 TL mit 1/4 l kochendem Wasser überbrühen, 10 Minuten ziehen lassen, abgießen. Den abgekühlten Sud über den Tag verteilt trinken.
  • Massage: auf den Rücken legen, den Bauch mit kreisenden Bewegungen massieren. Alternative: ein Tuch in heißes Wasser tauchen, auswringen, auf den Bauch legen. Darüber ein Baumwolltuch und eine Decke wickeln. 30 Minuten einwirken lassen.
  • Bei krampfartigen Beschwerden wirkt eine Wärmflasche: Die Schmerzrezeptoren werden blockiert, sobald die Haut auf über 40 Grad erwärmt wird.
  • Bewährt bei Magenproblemen: frischer Ingwer. Ein Stück lutschen oder 5 dünne Scheiben in kochendes Wasser geben, 10 Minuten ziehen lassen, trinken.
  • Entspannend wirkt ein Vollbad mit Lavendel (Apotheke). Kräuter in 2 l Wasser aufkochen, 15 Minuten ziehen lassen, dann ins Badewasser geben. Alternative: ein paar Tropfen Lavendelöl.
  • Buchtipp: „Darmgesund mit Probiotika“, Dr. Michaela Döll, Herbig Verlag, 19,90 Euro.

COOL-DOWN FÖRDERT DIE WORK-LIFE-BALANCE

Zusätzlich macht falsche Ernährung dem Darm zu schaffen. „Viele Menschen essen zu oft, gönnen dem Verdauungsapparat zu selten Ruhepausen und bevorzugen Fettes oder Süßes“, so Döll. Ihr Tipp: Zwischen den Mahlzeiten sollten gut vier bis fünf Stunden liegen. Eine Haupt- und zwei Nebenmahlzeiten am Tag sind ausreichend. Außerdem gilt: weniger essen, dafür jedoch langsamer und ballaststoffreicher, etwa Vollkornbrot, Obst und Gemüse statt Zucker und Fleisch. Und täglich mindestens zwei Liter trinken. „Vielfach verschwinden die Beschwerden allein schon durch ein gesünderes Essverhalten.“ Zum Stressabbau gehört auch, Prioritäten zu setzen, Tätigkeiten zu delegieren und einen regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten. „Sagen Sie öfter mal Nein“, sagt Döll. Sie rät, negativen Stress durch autogenes Training sowie Entspannungsübungen abzubauen. Und: „Nehmen Sie sich im Alltag kleine Auszeiten. Zum Auftanken genügt manchmal schon ein gemütliches Abendessen mit Freunden oder ein Saunabesuch.“


MEHR BEWEGUNG BRINGT DEN DARM IN SCHWUNG

Sport fördert die Durchblutung und entkrampft zugleich den Bauch. Ob Joggen, Schwimmen, Rad fahren oder Gymnastik – Hauptsache regelmäßig. Schon ein Spaziergang kann bewirken, dass ein aufgeregtes Bauchhirn Ruhe gibt, verdauungsfördernd ist er auch. Wichtig ist außerdem die Atmung. „Wenn die flachere Brustatmung die tiefe Bauchatmung ersetzt, was bei psychischer Belastung passiert“, so Döll, „ arbeiten die Darmmuskeln langsamer und werden träge.“ Besser also, Sie trauen sich: tief durchatmen, auch wenn das heißt – Bauch raus statt rein.